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Rollkunstlauf

Rollkunstlauf ist eine Sportart, die viel Ähnlichkeit mit dem Eiskunstlauf hat. Sie entstand zu Zeiten, als Eiskunstlaufen nur im Winter stattfinden konnte und war „Trainingsersatz“ für die Eisläufer während der Sommermonate. Italien ist heute eines der Länder, in denen Rollkunstlaufen sehr beliebt ist.

Rollschuhe gibt es schon ganz lange. So gibt es Berichte von Rollschuhen, die bei einer Londoner Theateraufführung im Jahre 1743 verwendet worden sind. Details dazu sind nicht bekannt. Um das Jahr 1760 herum baute der Musikinstrumentenbauer und Violinist Jean-Joseph Merlin aus Huy (Belgien) eine Konstruktion aus zwei hintereinander unter den Schuhen montierten Laufrollen, die als „Skaites“ bezeichnet wurden. Er wollte den Schlittschuhlauf auf Parkett oder der Bühne nachahmen können. Bei einem Maskenfest im Carlisle House von Soho (London) spielte er rollschuhlaufend Geige und fuhr, weil er weder bremsen noch Kurven fahren konnte, in eine Spielwand und verletzte sich schwer.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gewann das Rollschuhlaufen erneut als Bühnenspektakel eine gewisse Attraktion. So kam in der Oper „Le prophéte“ von Giacomo Meyerbeer, die 1849 in Paris uraufgeführt wurde, eine Eislaufszene vor, die auf Rollschuhen ausgeführt wurde.´tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/Rollkunstlauf1.jpeg

Doch nun zu den gesicherten historischen Daten. Die Rollschuhe als solche stammen aus den USA. Am 6. Januar 1863 erhielt nämlich der Amerikaner James L. Plimpton ein US-Patent auf den von ihm erfundenen Rollschuh mit vier Rollen. Für eine größere Verbreitung bedurfte es weiterer Voraussetzungen. Um 1870 war Paris fast vollständig asphaltiert, die anderen europäischen Großstädte folgten. 1883 wurden durch die Erfindung der Kugelschleifmaschine Kugellager für Alltagsgeräte erschwinglich. Diese beiden Voraussetzungen trieben die Entwicklung zu einem von städtischen Jugendlichen auf der Straße nutzbaren Spiel- und Sportgerät voran.

Rollkunstlaufen ist heute eine eigenständige Sportart. Sie wird überwiegend im Breitensport betrieben; daneben sind aber auch Wettkampfformen möglich. Rollkunstlaufen kann bei als Einzel-, Paar- und Formationslaufen betrieben werden.

Rollkunstlaufen kann sowohl im Freien wie auch in Hallen ausgeführt werden. Es ist im Wettkampfbereich nur auf Beton oder Parkett-Boden möglich, wie Wolfgang Finke vom RSV Hamborn 07 berichtet. Andere Böden haben nach seinen Worten den Nachteil, daß das Rollverhalten der Rollschuhe zu eingeschränkt ist.

Die Rollschuhe, die die Sportler dabei benutzen, unterscheiden sich von den normalen Rollschuhen, die wir vielleicht noch von uns selbst kennen. Es handelt sich dabei um Eislaufstiefel mit einem darunter befindlichen Gestell aus Aluminium oder Titan, an dem die Rollen und ein Stopper befestigt sind. „Diese Rollschuhe haben den Vorteil, daß sie lenkbar sind,“ betont Finke.

Weitere Besonderheiten sind bei der Bekleidung nicht erforderlich. „Na ja, bei Auftritten laufen wir natürlich nicht in normaler Sportbekleidung herum.  Da gibt es schon eigene Kleider,“ so Finke.

Im Wettkampf-Bereich wird Rollkunstlauf in das Pflicht- und Kürlaufen unterteilt. Das Pflichtlaufen ist das Laufen von Figuren auf vorgezeichneten Bögen mit vorgeschriebenen, unterschiedlichen Drehungen. Beim Kürlaufen liegt der Schwerpunkt auf der technischen Bewältigung der Sprünge und der Pirouetten, wie Finke berichtet. Diese Elemente sind in eine Choreographie eingebettet, die von Musik begleitet wird. Die Kurzkür dauert 2:20 Minuten, die Kür 4:15 Minuten. „Bei der Musikauswahl können wir durchaus tagesaktuell modische Musik nehmen,“ berichtet Finke.

Im Wettkampfbereich kommen Schiedsrichter zum Einsatz, die die jeweilige Darbietung beurteilen. Beim Pflichtbereich wird die Figur anhand einer Skala von 0 (nicht gelaufen) bis 10 (perfekt) eingestuft. Fehler werden hier mit Punktabzügen bestraft.

Beim Kürlaufen erfolgt die Bewertung durch zwei Noten. Die A-Note wird für die technische Schwierigkeit des Programms, die B-Note für die Ausführung und die künstlerische Gestaltung des Programms vergeben. Auch hier gilt wieder: Fehler werden mit Punktabzügen bestraft.

Hier alle Figuren aufzuführen, die beim Pflicht- und Kürprogramm eingesetzt werden können, würde an dieser Stelle zu weit führen. Sie können beim Regelwerk des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes (www.driv.de) eingesehen werden.

Ein Gleichgewichtssinn, Koordinationsfähigkeit, Belastbarkeit, ein gutes Gedächtnis, Selbstbewußtsein, Disziplin, Leistungsbereitschaft, Athletik, Sprungkraft und gute Körperproportionen machen nach Einschätzung von Finke einen guten Rollkunstläufer aus. „Rollkunstlauf ist eine Präsentationssportart.“ Ob da wohl auch so etwas wie Ausstrahlung und Aussehen wichtig ist

Rund 120 Rollkunstläufer sind in dem Duisburger Verein aktiv. Trainiert wird in einer Halle in Röttgersbach. „Diese Halle hat den Nachteil, daß sie einen PVC-Boden ein. Ein solcher Boden ist für Meisterschaften nicht geeignet.“

Beim RSV sind mehr Mädchen als Jungen aktiv. Nach Einschätzung von Finke können Jungen beim Rollkunstlauf ihren Bewegungsdrang ausleben und Kraft beweisen. „In südlichen Ländern – wie beispielsweise Italien – sieht die Situation anders aus als bei uns. Dort hält sich das Verhältnis Jungen – Mädchen etwa die Waage.“

15 Rollkunstlauf-Sportlerinnen und deren Eltern haben den RSV Hamborn 07 im Jahre 2003 gegründet. „Wir haben inzwischen auch schon erfolgreich an Deutschen, Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen,“ kann Finke die bisher erreichten Erfolge beschreiben.

Wer nähere Informationen zum Verein und zum Sport haben möchte, kann sie im Internet unter www.rsv-hamborn-07.de finden.

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