Diese Webseite verwendet Cookies, um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren.

Kyudo

Kyudo ist die japanische Form des Bogenschießens. Die ersten Pfeile sind inzwischen auch bei uns in Deutschland angekommen. Als besonders auffällig daran gilt der langsame Bewegungsablauf, die bei Zeremonien traditionelle japanische Bekleidung sowie die erkennbare Handwerkskunst des Bambusbogens und der Bambuspfeile.

Neben der besonderen Übungsmethodik unterscheidet sich der Bogen auffällig von westlichen Sportbögen. Der Bogen ist asymmetrisch geformt. Der obere Wurfarm ist deutlich länger als der untere. tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/Kyudo Bild Schiessender.jpg

Der Bogen hat weder eine Zieleinrichtung noch eine Pfeilauflage. Der Pfeil wird an der Bogenkante rechts außen auf dem Daumen aufgelegt, also auf der dem Schützen abgewandten Seite des Bogens. Die Sehne wird mit Hilfe eines Schießhandschuhs mit einer Grube am Daumen gezogen. Neben dem eigentlichen Schießen wird eine Reihe zeremonieller Bewegungsformen in traditioneller japanischer Kleidung, bei fortgeschrittenen Schützen auch im Kimono geübt. Einen wichtigen Teil des Trainings nimmt das Üben der Technik und der Bewegungsabläufe vor dem eigentlichen Schuß ein. Dabei wird aus nur 2–3 m Entfernung auf ein Reisstrohbündel geschossen.

Der Pfeil wird bei einer Bogenstärke zwischen 7–26 kg (selten auch mehr) horizontal auf das 28 m entfernte Ziel, das Mato (Durchmesser 36 cm), abgeschossen. Diese Entfernung und die Anordnung der Zielmitte knapp 30 cm über dem Boden geht auf die mittelalterliche Schlachtordnung zurück. Die Bogenschützen knieten und versuchten aus dieser Höhe heraus, den durch die Rüstung weniger geschützten unteren Bereich des Gegners zu treffen. Die Bewegungen sind in acht Abschnitte gegliedert.Der Kyudoka kniet ab, grüßt das Ziel und streift den langen Kimonoärmel von der linken Schulter. Er steht auf, geht entschlossenen Schrittes zur Abschusslinie, kniet dort wieder ab, wendet sich zur Kamiza und legt den ersten Pfeil ein. Langsam steht er auf, setzt aufmerksam seine Füße und überprüft seine Haltung. Erst greift er die Sehne, dann den Bogen mit festem Griff, hebt ihn weit über den Kopf. Aus der Mitte des Körpers zieht er den Bogen auf, bis der Pfeil an der rechten Wange anliegt,“ beschreibt Susanne Scholten vom Kyudoverein Neandertal die Bewegungsabläufe. Das Wort „Kamiza“ bedeutet auf Deutsch soviel wie „Sitz der Götter“; man könnte es praktisch mit einem kleinen Altar vergleichen, der meist durch ein Bild, Blumengesteck oder eine Schriftrolle geschmückt ist.

Die asymmetrische Form des Bogens und das Anliegen des Pfeils an der rechten Seite würden den Pfeil beim Lösen nach rechts oben ablenken. Um dieses auszugleichen, muß der Bogen beim Abschuss innerhalb eines Sekundenbruchteils zum Ziel gedreht werden, bevor sich der Pfeil von der Sehne löst. In Koordination mit der Bewegung der linken Hand muß die rechte Hand nach innen eingedreht werden, damit der Handschuh die Sehne freigibt.tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/Kyudo Schusstechnik.jpg

Neben den Pfeilen, Bögen und Schießscheiben gehören auch Schutzmatten für den Hallenboden vor den Pfeilfängern, Pfeil- und Bogenständer sowie Pfeilfänger zur Grundausstattung eines Vereins.

Der jeweilige Schütze braucht einen Schießhandschuh sowie die traditionelle japanische Sportbekleidung, die aus einem Baumwollhemd, Hosenrock, Zehensocken und bei den Damen aus einem Brustschutz besteht.

Ein Durchgang besteht in der Regel aus 3 x 4 Pfeilen. Der Zeitbedarf unterscheidet sich nach der Anzahl der Schützen und den verfügbaren Zielen. Nach vier Pfeilen werden die Ziele wieder abgeräumt. Treffer ist Treffer. Es gibt keine Unterscheidung, wo das Ziel getroffen wird.

Die japanischen Etikette genießen beim Kyudo eine große Bedeutung. Was sich schon an Details zeigt. So verbeugt man sich beispielsweise, wie auch bei den japanischen Kampfsportarten so üblich, schon beim Betreten des Raumes.

Kyudo wird in Japan üblicherweise in einem traditionellen Dojo mit einer nach vorne offenen Schießhalle mit Holzfußboden ausgetragen. Bei uns in Deutschland kann Kyudo in Sporthallen ausgeübt.

Ein gutes Auge und eine ruhige Hand sind wichtig, möchte man Kyudo betreiben. Geduld kommt hinzu. „Man muß auch (sportlich) an sich arbeiten wollen,“ wie Scholten berichtet. Kyudo kann man nach ihren Worten noch bis ins hohe Alter betreiben. „Wenn man Judo und Aikido beispielsweise wegen Problemen mit den Knien nicht mehr machen kann, ist Kyudo eine Alternative.“ tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/Kyudo Zielscheiben.jpg

Scholten ist seit über 10 Jahren aktive Kyudo-Schützin. „Ich habe mich schon immer für Ostasien interessiert. Hinzu kam: Ich wollte schon als Kind Bogenschießen betreiben. Da hatte wohl Robin Hood seine Finger im Spiel.“ Im Jahre 2002 war Scholten Gründungsmitglied des Vereins.

35 Kyudo-Schützen gehören dem Verein an. Doch was ist die Motivation, sich dieser exotischen Sportart zuzuwenden? „Man arbeitet an sich. Kyudo bietet einen ästhetischen Bewegungsablauf,“ beschreibt sie ihren Zugang zu der japanischen Bogenschießsportart. „Der Raum, in dem geschossen wird, ist aus dem Alltag herausgenommen. Der Alltag wird hier ausgeblendet. Man kann auf diese Art und Weise gut abschalten. Kyudo hat aber auch einen praktischen Vorteil. Es ist sehr gut für den Rücken. Die Muskulatur wird trainiert.“

Man kann Kyudo natürlich aus Spaß an der Freude betreiben. Doch es gibt auch Wettkampfformen

„Seit der Gründung konnte der Verein schon zahlreiche Wettkampferfolge für sich verbuchen. Viele Mitglieder stellten sich bereits erfolgreich den Prüfungen zum Erwerb von Dangraden,“ ist auf dem Internetauftritt des Vereins (www.kyudo-neandertal.de) zu lesen.

Mehrfache nordrhein-westfälische und nationale deutsche Meisterschaften sowie vordere Plätze in der Bundesliga sind die Erfolge des Vereins des Neandertals. Bei diesen Wettbewerben geht es nicht darum, eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Hier werden auch Stilfragen berücksichtigt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann dies im Internet beim Deutschen Kyudo Bund (www.kyudo.de) nachschlagen.

Zurück