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Kegeln

Kegeln ist eine Präzisionssportart, bei der ein Spieler von einem Ende einer glatten Bahn aus (Kegelbahn) mit kontrolliertem Schwung eine Kugel ins Rollen bringt, um die am anderen Ende der Bahn aufgestellten neun Kegel umzulegen. Die Kegel sind dabei gleichmäßig in Form eines Quadrats angeordnet, das auf der Spitze steht (Raute). Aus dem Kegeln hervorgegangen und daher eng mit ihm verwandt ist das Bowling, bei dem zehn Kegel (Pins) in Form eines gleichseitigen Dreiecks aufgestellt werden. Da das Bowling aber schon in einem anderen Text behandelt wurde, soll an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen werden.

Kegeln ist der Sekundärliteratur zufolge eine der ältesten Sportarten der Menschheitsgeschichte überhaupt. Demnach stammen die ältesten Darstellungen und Überlieferungen aus dem alten Ägypten.

Kegeln läßt sich in einen Sportbereich und in den Breitensport unterteilen. In diesem Text sollen die Gemeinsamkeiten vorgestellt werden.

Kegeln ist ein Hallensport, wie Rolf Würg, Geschäftsführer des Westdeutschen Kegel- und Bowlingverbandes (www.w-k-v.de), betont. Was auch damit zusammenhängt, daß spezielle Vorrichtungen erforderlich sind, um den Sport ausüben zu können. „Gespielt wird in Sporthallen, die als Minimum eine 4-Bahnen-Anlage haben. Der Grund dafür ist auch einfach. Veranstaltungen wie Bundesliga-Spiele würden ansonsten zu lange dauern.“

Die ersten vollautomatischen Kegelstellmaschinen wurden am 25. März 1956 in Deutschland in Betrieb genommen. Während anfangs noch die einzelnen mechanischen Arbeitsschritte per Knopfdruck ausgeführt werden mußten, übernehmen heute computergesteuerte Anlagen den kompletten Spielablauf vom Aufstellen der Kegel bis zum Zählen der Punkte. Die Übertrittsanzeige erfolgt per Lichtschranke. Die Kegel werden in der Regel an Seilen hochgezogen und – nach dem „Auspendeln“ – wieder abgestellt.

Die hölzernen Kegel von einst sind seit langem durch Kunststoffkegel ersetzt. Auf Bohle- und Scherebahnen wird der gerade geschnittene 2000er-Kegel eingesetzt; auf Classicbahnen werden seit einigen Jahren auch die bauchigen Tornado- und Top-Kegel gespielt.

Kugeln werden heute aus polyesterfreiem Phenolharz (Aramith) hergestellt. Der Standarddurchmesser im Sportkegeln beträgt 160 Millimeter bei ungefähr 2,85 Kilogramm. Auf Classicbahnen spielen Breitensport- und Freizeitkegler auch mit Lochkugeln in unterschiedlichen Größen.

Der Kegelsport wird in Deutschland auf vier verschiedenen Bahnarten betrieben: Asphalt- (Classic-), Bohle-, Scheren- und Bowlingbahn. Die Verteilung dieser Bahnarten ist regional unterschiedlich ausgeprägt ist.

Der Anlauf und die Auflagebohle (Länge 5,5–6,5 m, Breite 0,35 m) bestehen bei der Classicbahn / Asphaltbahn aus Linoleum. Die Kugellauffläche besteht aus Asphalt oder Kunststoff und hat über die gesamte Länge von 19,50 Meter eine Breite von 1,50 Meter. Für einen optimalen Kugellauf muss der Belag vollkommen glatt sein. Die gesamte Lauffläche liegt waagerecht.

Die Asphaltbahn wird überwiegend in Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern, Süd-Hessen, Pfalz) gespielt sowie in Berlin und allen neuen Bundesländern mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns.

Der Anlauf und die Auflagebohle (Länge 5,50 m, Breite 0,35 m) bestehen bei der Bohlebahn aus Linoleum. Die Kugellauffläche besteht aus Holz oder Kunststoff und ist gekehlt, hat also so etwas Ähnliches wie eine Rinne auf der Kugellauffläche. Wie die Scherenbahn hat auch die Bohlebahn eine Gesamtsteigung von zehn Zentimeter vom Beginn der Auflagebohle bis zum Kegelstand. Aufgrund der Maße der Lauffläche (23,50 m Länge und 0,35 m Breite) ist auf der Bohlenbahn Abräumen nicht möglich und es kann nur in die Vollen gespielt werden.

Auf Bohlebahnen wird hauptsächlich in Norddeutschland (Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) gespielt sowie in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Nordhessen und Westfalen.

Bei der Scherenbahn bestehen der Anlauf und die Auflagebohle (Länge 5,50 m, Breite 0,35 m) aus Linoleum. Bei Kunststoffbahnen ist die Aufsatzbohle auch sehr oft aus Kunststoff. Die Kugellauffläche besteht aus Holz oder Kunststoff und ist gekehlt (3,6 mm–4,0 mm). Die Bahn hat eine Gesamtsteigung von zehn Zentimeter vom Beginn der Auflagebohle bis zum Kegelstand. Die Lauffläche hat von der Aufsatzbohle bis zur Schere auf einer Länge von 9,50 Meter eine Breite von 35 Zentimeter und verbreitert sich dann auf einer Länge von 8,50 Meter scherenartig bis auf 1,25 Meter beim Kegelstand.

Scherenbahnen sind im Rheinland (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz), im Saarland sowie im südlichen Niedersachsen und in Hessen verbreitet.

Die Bowlingbahn ist von den oben genannten Kegelbahnen völlig verschieden. Sie besteht aus lackiertem Holz oder aus Kunststoff. Üblicherweise wird sie regelmäßig mit einem dünnen Ölfilm überzogen. Das letzte Drittel der Bahn ist trocken. Bei einem Hakenball sorgt das Öl dafür, dass die Seitenrotation erst kurz vor den Pins Wirkung zeigt. Statt neun Kegeln im Vierpass werden zehn Pins in einem gleichseitigen Dreieck aufgestellt. Dies sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Sportkegeln wird als Einzel- und Mannschaftssportart betrieben. Eine Mannschaft besteht aus sechs, in manchen unteren Klassen auch vier Spielern. Außerdem werden Paar- und Mixed-Wettbewerbe abgehalten. Neu dazugekommen sind Tandem- und Sprintwettbewerbe, die im K.-o.-System gespielt werden. Insgesamt gibt es rund 82.000 Kegelsportler in Deutschland.

In der Classic-Variante des Kegeln werden in der Regel 120 Wurf kombiniert (30 Wurf je Bahn, davon 15 Wurf Volle, 15 Wurf Abräumen) über vier Bahnen mit sechs Spielern pro Mannschaft absolviert.

Sportkegeln in der Sektion Schere setzt sich aus zwei Spielvarianten, dem Spiel in die Vollen und dem Abräumen, zusammen.

  • Beim Spiel in die Vollen spielt ein Sportler bei jedem Wurf auf ein komplettes Kegelspiel, auch Bild genannt. Gewertet werden bei fester Wurfzahl die Zahl der abgespielten Kegel.
  • Demgegenüber muss ein Spieler beim Abräumspiel solange auf die Kegel spielen, bis alle abgespielt worden sind. Lediglich der Mittelkegel, König genannt, darf stehen bleiben (Kranz), allerdings werden auch nur die 8 gefallenen Kegel gewertet.

Es herrscht Gassenzwang. Auf den ungeraden Bahnen wird mit der linken Gasse Volle, auf den geraden mit der rechten Gasse Volle begonnen. Nach 15 Wurf folgt dann das Abräumen in die andere Gasse. Sowohl das Spiel in die Vollen als auch das Abräumspiel sind sehr variantenreich, da keine Scherenbahn präzise der nächsten gleicht. Beispielsweise weist jede Bahn aufgrund von Material- und Schliffunterschieden eine andere Kehlung auf. Der Kegler ist gezwungen, sich bei wechselnden Kegelbahnen immer wieder an die besonderen Verhältnisse der Kegelbahn anzupassen, um möglichst viele Kegel abzuspielen.

Normale Sportbekleidung und saubere Sportschuhe gehören zur Ausrüstung eines Sportkeglers. Handschuhe sind nicht üblich, Handtücher können bei Bedarf benutzt werden.

Nervenstärke, Flexibilität, Konzentrationsfähigkeit, ein Auge für die Situation und Kondition sind Eigenschaften, die ein guter Kegler mitbringt. „Ich habe 12 Minuten für 30 Wurf Zeit. Da muß ich in der Lage sein, mein Programm voll konzentriert durchzuziehen,“ betont Würg.

„Früh übt sich“ heißt der Kegelverein aus Neudorf, in dem Würg seit 1958 als Kegler aktiv ist. „Kegeln ist im wahrsten Sinne des Wortes ein umwerfender Sport. Er ist ungesund, weil er – bedingt durch die Bewegungsabläufe – in die Knie und Muskulatur geht. Die Arme und Schultern werden weniger belastet. Mir persönlich gefällt die Geselligkeit.“

 

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