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Gambisches Wrestling

Das Gambische Wrestling ist ein Volkssport in der westafrikanischen Region Senegambia (Gambia und Senegal). Aber auch in Niger und Nigeria sind Formen dieses afrikanischen Ringens bekannt.

Unter den Angehörigen der westafrikanischen Herrscherfamilien im 11. Jahrhundert gab es schon Ringerwettkämpfe, da sie damals als eine königliche, höchst angesehene Sportart galten. Heute wird der Wettkampf in jedem Dorf ausgetragen, besonders an der südlichen Grenze und in der senegalesischen Region Casamance.

Das Wrestling wird unter den Männern, vor allem von der Volksgruppe der Diola betrieben. Diese Form des Ringkampfes hat in Gambia eine ähnliche Stellung wie das Sumō-Ringen in Japan. Die Kontrahenten geben sich wohlklingende Namen und sind angesehene Mitglieder des Dorfes.

Einmal im Jahr treffen sich in Kanilai die besten Ringer des ganzen Landes, um sich miteinander zu messen.. Die größte bzw. bekannteste Ringkampfarena befindet sich in Bakoteh, einem Stadtteil von Serekunda, an der Straße nach Sukuta. Dort finden, außer im Ramadan, jeden Samstag und Sonntag Kämpfe statt.

Das Gambische Wrestling hat weder etwas mit dem Wrestling-Showveranstaltungen aus Amerika noch mit den uns bekannten Ringkampfformen "Freistil" oder "Griechisch-Römisch" zu tun. Beim Gambischen Wrestling stehen sich jeweils zwei Männer gegenüber. In der Anfangszeit stehen sich die beiden Kämpfer in leicht gebückter Körperhaltung gegenüber und behaken sich im Kopf- und Rumpfbereich gegenseitig. Später kommen dann verschiedene Griffe zu den Beinen, Wurf- und Hebetechniken sowie Showeinlagen hinzu. Ziel des Kampfes ist es, den Gegner zu Boden zu werfen. Ein ausgefeiltes Regelwerk wie etwa bei uns in Europa ist hier nicht bekannt. Solange es fair zugeht, sind alle Griffe und Finten erlaubt.

Für das Gambische Wrestling trifft sich die Bevölkerung am Wochenende nachmittags auf einem freien Platz im Dorf, um die Ringer, die nur mit einem Lendenschurz bekleidet sind, beim Kämpfen zu beobachten. Die Ringer versuchen, sich mit allen möglichen Glücksritualen zu beeinflussen; so werden Glücksamulette umgehängt oder vorher die heiligen Krokodilbecken von Kachikally oder Berending besucht. Die Frauen bemühen sich während dieser Zeit, für alle das Essen zuzubereiten. Es macht teilweise den Anschein eines gemütlichen Grillfestes, zu dem sich das Dorf trifft. Im Gegensatz zum Ringen, das bei den „europäischen“ Sportveranstaltungen betrieben wird, ist bei der gambischen Variante jeder Griff erlaubt. Obwohl es keine verbotene Griffe und Aktionen gibt, wird der Kampf in der Regel fair und respektvoll betrieben. Auch hier gilt: Wer zuerst am Boden liegt, hat verloren. Der Gewinner des Tages hat den ganzen Ruhm verdient. Mit einem grandiosen Fest wird der Tag beendet.

Nach den Beobachtungen von Jobst Münderlein vom Deutsch-Gambischen Verein in München hat das Wrestling eher kulturellen Charakter. „Junge Gambier gehen eher ins Fitneßstudio und machen Bodybuilding,“ berichtet bei einem Gespräch am Telefon. Auch Fußball soll sehr beliebt sein. Leute, die diesen Sport irgendwie bei uns in Deutschland betreiben, sind ihm nicht bekannt. Von daher sei der Sport hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

In Duisburg leben 32 Personen mit einem Paß aus Gambia. „Ich kenne Gambisches Wrestling noch aus Kindertagen“, berichtet Alex Saine, der schon seit längerer Zeit bei uns in Duisburg lebt. Im Senegal ist das Gambische Wrestling nach seinen Worten die Sportart Nummer 1, noch vor Fußball. In Gambia ist Gambisches Wrestling Volkssport. Gambisches Wrestling ist eine Sportart, die nur von Männern betrieben wird, wie Saine berichtet. „Frauen habe ich da noch nie gesehen.“ Gambisches Wrestling wird unter freiem Himmel, etwa in einem Hof oder auf einem freien Platz, betrieben. Man braucht einfach nur einen Sandboden, wie Saine berichtet. Es gibt zwar eine kreisförmige Begrenzung, innerhalb sich die Kämpfer bewegen sollen. „In der Praxis kümmert sich aber niemand darum, weder Kämpfer noch Zuschauer. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Mindestmaße für diesen Kreis vorgeschrieben sind.“ Daß die Lendenschurze die einzigen Kleidungsstücke sind, die die Kämpfer brauchen, kann der Mann aus Westafrika aber bestätigen.

Die oben schon erwähnten Amulette sind da schon wichtiger. „Ohne die Amulette geht keiner in den Ring“, bestätigt Saine. „Sie sind wichtig für das Selbstvertrauen, weniger Aberglauben.“ Außerdem gibt es das „Wolof Safara Mandinko Nasso“, das heilige Wasser, mit dem sich die Kämpfer einsprengen. Bei dem Heiligen Wasser werden zuerst Koranverse auf ein Brett geschrieben. Diese Koranverse werden dann mit Wasser besprengt. Das heruntergelaufene Wasser wird aufgefangen, damit sich die Kämpfer mit ihm besprengen können. „Das Heilige Wasser soll Glück bringen“, so Saine.

Musik ist auch ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung. In der verschiedenen Stämmen vor Ort wird unterschiedliche Musik gemacht; Trommeln sind ein zentraler Bestandteil davon. „Die Musik motiviert doch schon sehr stark.“

Erlaubt sind bei dem Sport nur Handgriffe oberhalb der Gürtellinie. Fußtritte sind verboten Wer auf dem Boden liegt, hat verloren. Ein kräftiger Körperbau, Cleverness und Gelenkigkeit sind wichtig für den Sport, aber auch Erfahrung, wie Saine immer wieder betont. „Übung macht den Meister“. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Diese Redensarten kennen wir doch auch im Deutschen.

„Gambia ist eine Republik in Westafrika, die an den Ufern des Gambias liegt. Mit Ausnahme eines kurzen Küstenabschnittes an der Mündung des Flusses in den Atlantischen Ozean wird Gambia vollständig vom Staat Senegal umschlossen. Mit einer Fläche von ungefähr 11.000 Quadratkilometern ist das Land der kleinste Flächenstaat des Kontinentes. Gambia hat ungefähr 1,7 Millionen Einwohner,“ stellt die Internetenzyklopädie Wikipedia das Land vor.

Wer sich Gambisches Wrestling einmal anschauen möchte, kann dies bei YouTube tun. Unter dem Stichwort "Gambia - Wresting Ringkampf 1" bzw. "Gambia Wrestling Ringkampf 2" hat Peter Menzel zwei kurze, aber durchaus informative Videos über die Sportart eingestellt.

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