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Ölringen

Der Ölringkampf gilt als Nationalsport der Türkei. „Das Ölringen ist aber heute in Deutschland angekommen“, wie Ali Osman Sen von der Kuba-Moschee in Marl berichtet. Dort organisiert man schon seit einigen Jahren Ölringkampf-Turniere.

Beim Ölringkampf werden dieselben Griffe und Techniken angewandt wie beim normalen Ringen (Freistil, griechisch-römisch). „Angriffspunkt ist aber eher die Hose, die der Kämpfer trägt,“ wie Sen berichtet.

Das Ölringen ist eine typische Sommersportart, die ausschließlich im Freien ausgetragen wird. In Marl ist zwischen Ende Mai und August Saison. Im Winter legen die Sportler eine Pause ein; Wettkämpfe in Hallen, womöglich mit Matten, sind nach Sens Worten nicht üblich. „Wiese ist Pflicht,“ betont Sen. „Der Rasen sollte aber wegen der Verletzungsgefahr nicht allzu kurz geschnitten sein.“tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/Oelringen 3. Bild.jpg

Es gibt nach Sens Worten keine feste Regel, wie groß die Kampffläche sein soll. Das hänge von den jeweiligen Örtlichkeiten ab. Begrenzende Markierungen gibt es in der Regel allein schon deswegen nicht, weil oft mehrere Kämpfe gleichzeitig nebeneinander stattfinden. Begleitende Musik mit Pauke und Kegeloboen gehören genauso zum Wettkampf wie ein Moderator, der die Kämpfe leitet und die Kämpfer und Zuschauer aufpeitschen soll.

Bei den Kämpfen gibt es Punkte- und Schultersiege; nach Sens Worten ist die Wertung mit der bei den klassischen Ringkämpfen vergleichbar. Man hat auch gewonnen, wenn man den Gegner aufhebt und drei Schritte weit trägt. Inzwischen hat sich beim Ölringen auch eine Zeitbegrenzung von 30 Minuten durchgesetzt. Steht in dieser Zeit kein Sieger fest, geht es in die Verlängerung (15 Minuten). Kommt es auch in dieser Verlängerung zu keinem Schultersieg, hat derjenige gewonnen, der die meisten Punkte hat.

Spezielle Lederhosen sind die typische Kampfbekleidung; es handelt sich dabei um eine reißfeste Sportbekleidung, die nur in der Türkei hergestellt wird. „Diese Hosen sind so gemacht, daß man mit ihnen ein Auto abschleppen könnte,“ meint Sen. Oberhalb der Gürtellinie ist der Oberkörper der Kämpfer entblößt und mit Speiseöl eingerieben. Dies soll es dem Kontrahenten erschweren, Hebel und Griffe einzusetzen. In der Theorie wird Olivenöl genommen. „Es reicht aber normales Speiseöl, beispielsweise Sonnenblumenöl,“ berichtet Sen. Fünf bis sechs Liter davon braucht jeder Ölringer mindestens pro Kampf; da sich auch während immer wieder damit eingerieben wird, kann es aber leicht mehr werden.

Der Ölringkampf ist eine reine Männersportart. Frauen tragen ihn nicht aus. Ein Mix aus Geschicklichkeit, Kraft, Ausdauer und taktischem Geschick sind dabei wichtig.

Seinen Ursprung nahm der türkische Ölringkampf im Jahr 1361. Da eroberte nämlich der Sohn des osmanischen Sultans, Süleyman Pascha, mit seinen 40 Kriegern eine Festung. Als sie feststellten, daß sie diese Aufgabe viel zu schnell erledigt hatten, wurde ihnen langweilig. Also begannen sie alle miteinander zu ringen, um den Stärksten unter ihnen zu ermitteln. Leider waren die letzten beiden Kontrahenten aber absolut gleich stark. Keiner von ihnen wollte aufgeben, und so zog sich ihr Kampf über mehrere Tage und Nächte, bis sie beide vor Erschöpfung starben. Die Kameraden der beiden Unglücksraben beerdigten sie und zogen dann weiter, um die Stadt Edirne einzunehmen. An der Stelle, wo sie beerdigt worden waren – unter einem Feigenbaum übrigens – entsprangen zahlreiche Quellen aus reinem Wasser, und so wurde dieser Ort „Kirkpinar” getauft, was übersetzt „40 Quellen” heißt.tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/Oelringen 4. Bild.jpg

Auch wenn Sen selbst aus der Türkei stammt, war der Ölringkampf für ihn lange Zeit nur ein Urlaubssport, den man bei Feiern und im Fernsehen gesehen hat, wenn man mit den Eltern die alte Heimat besucht hat. Insbesondere bei islamischen Feiertagen gibt es Ölringkampfe. Nach der Beobachtung von erlebt der Ölringkampf in den vergangenen 10 Jahren aber eine Renaissance. Insbesondere die jüngeren Türken entdecken die kulturellen Bräuche ihrer Eltern wieder.

Sen hat nach eigenen Worten selbst nie gerungen, wie er gerne zugibt. Seit einigen Jahren organisiert er zusammen mit seinen Glaubensbrüdern jeweils Ende Mai / Anfang Juni eine größere Veranstaltung, bei der es Ölring-Wettkämpfe zu sehen gibt. „Wir bieten natürlich auch ein wenig Unterhaltung,“ ergänzt Sen. „Es gibt selbstverständlich auch Eßstände und ähnliches.“

Ort des Geschehens ist in Marl die Festwiese Brassert. Daß die örtliche türkische Gemeinschaft dabei nicht unter sich bleibt, ist für Sen schon wichtig. So wird nicht nur die lokale Kommunalpolitik zu der Veranstaltung eingeladen. Auch die deutsche Bevölkerung ist zu der Veranstaltung immer eingeladen gewesen. Integration steht hier für die Gemeinde im Vordergrund.

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