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Ju Jutsu

Ju Jutsu heißt eine Kampfsportart, die Ende der 1960er Jahre bei uns in Deutschland entstanden ist. Dabei sind Techniken aus dem Jiu Jitsu, Judo, Karate, Aikido und anderen Kampfsportarten zu einem neuen Selbstverteidigungssystem zusammengeführt worden.

Der Ju-Jutsu beinhaltet Falltechniken, Abwehrtechniken, Bodenkampf, Atemitechniken (verschiedene Schlag- und Tritttechniken), Wurftechniken, Hebeltechniken, Würgetechniken, Sicherungstechniken, Nothilfetechniken, Waffenabwehr und die gezielte Entwaffnung von Gegnern.

„Die Bewegungslehre dient der Vorbereitung des eigenen Angriffs. Der richtige Bewegungsablauf verhindert Konter des Gegners,“ berichtet Ralf Pollnow, Referent Leistungssport beim NWJJV, dem Nordrhein-Westfälischen Ju-Jutsu-Verband.

Die Falltechniken dienen der Vermeidung von Verletzungen.

„Das Ausweichen kann schon eine einfache Abwehrtechnik sein,“ erzählt Pollnow. „Ich kann sie aber beispielsweise auch mit den Armen und Beinen ausführen. Abwehrtechniken sind alles, was den Gegner stört.“

Beim Bodenkampf soll der Gegner am Boden fixiert und zur Aufgabe bewegt werden. Hier können Arm- und Beintechniken eingesetzt werden.

Die Wurftechniken, Hebeltechniken und Würgetechniken sind von ihrer Grundlage her verletzungsfrei angelegt.

Sicherungstechniken wie beispielsweise der Polizeigriff und Nothilfetechniken („Ich stehe jemandem bei, der angegriffen wird.“) gehören in den Bereich des Breitensports.

Ju Jutsu basiert hauptsächlich auf Selbstverteidigungstechniken. Jede Verteidigungstechnik ist gegen mehrere Angriffsarten anwendbar.

Im Ju-Jutsu finden verschiedene Wettkämpfe statt. Die Disziplinen dort sind Duo-System, Fighting-System, Newaza = Bodenkampf und dem Formenwettkampf. „Der Formenwettkampf wird bei uns allerdings eher stiefmütterlich behandelt,“ berichtet Pollnow. „Er ist im Breitensport angesiedelt. Hier treten 2 Mannschaften gegeneinander an. Sie zeigen eine komplett freie Choreographie. Ziel ist die eindrucksvolle Darbietung.“

Das Fighting-System und das Duo-System unterscheiden sich in erster Linie darin, daß beim Fighting jeder für sich („Mann gegen Mann“ mit frei wählbaren Techniken und Taktiken) kämpft. Beim Duo geht ein Kämpferpaar an den Start und präsentiert gemeinsam einstudierte Selbstverteidigungskombinationen, die (vergleichbar dem Eiskunstlauf) von fünf Kampfrichtern mit einem bis zehn Punkten bewertet werden. Beide Kampfformen werden auf einer Mattenfläche von 12 x 12 Metern ausgetragen. Beim Fighting sind ein Haupt- oder Mattenkampfrichter (HK) und zwei Seitenkampfrichter (SK) sowie ein Tischkampfrichter im Einsatz. Beim Duo gibt es einen Haupt- oder Mattenkampfrichter und das Kampfgericht, bestehend aus fünf lizenzierten Kampfrichtern.

Die Kampfzeit eines Kampfes beträgt 1 x 3 Minuten, in den jüngeren Altersklassen 1 x 2 Minuten. Das Tragen einer Schutzausrüstung, bestehend aus Schienbein- und Spannschützer, Handschützer ist Pflicht, bei der Jugend sind ebenfalls der Zahnschutz und bei Jungen ein Tiefschutz Pflicht. Schienbein- und Spannschützer sowie Handschützer müssen in der Gürtelfarbe getragen werden. Erstaufgerufener bei einem Kampf trägt rot, Zweitaufgerufener blau.

Der Ju-Jutsu-Fighting-Wettkampf besteht aus drei Teilen.

Im ersten Teil versuchen die Kämpfer, durch Schläge und Tritte (Atemitechniken) zu punkten. Dabei dürfen nur runde, das heißt seitlich ankommende Tritte und Schläge verwendet werden, welche den Kopf nur leicht berühren dürfen (Leichtkontakt). Bei Atemitechniken zum Kopf wird auf eine kontrollierte Ausführung geachtet. Zum ersten Teil gehören auch Atemitechniken zum Körper, welche ebenfalls kontrolliert ausgeführt werden müssen, jedoch mit etwas stärkerem Kontakt erlaubt sind (Halbkontakt). Hier sind gerade Techniken erlaubt.

In den zweiten Teil sollten beide Kämpfer nach ca. 20 Sekunden mit dem Griffkontakt übergegangen sein, andernfalls gibt es eine Strafe. In diesem Teil wird versucht, den Gegner ausschließlich durch einen Wurf oder einen Hebel zu Boden zu bringen.

Den dritten Teil bildet der Bodenkampf. Hier ist das Ziel, seinen Gegner 15 Sekunden mit Hilfe einer Festlegetechnik zu halten oder ihn durch eine Würge- oder Hebeltechnik vorzeitig zur Aufgabe zu bringen. Sollte nach drei Minuten kein Gewinner feststehen (Punktegleichstand Wazaari und Ippon), so wird nach einer Pause von einer Minute eine zweite Kampfzeit von drei Minuten gekämpft. Die minimale Erholungszeit zwischen zwei Kämpfen liegt bei fünf Minuten.

Es gibt drei Mattenkampfrichter (einen Hauptkampfrichter und zwei Seitenkampfrichter) und einen Tischkampfrichter. Der Tischkampfrichter ist für die richtige Zählung der Wertungen, Punkte und Bestrafungen verantwortlich. Ihm stehen zwei Kampfrichterassistenten zur Seite, welche die Zeit nehmen, die Punkte schriftlich festhalten und die nächsten Kämpfer aufrufen. Der Hauptkampfrichter vergibt zusammen mit den Seitenkampfrichtern die Wertungen und leitet den Kampf; so signalisiert er beispielsweise den Beginn und das Ende einer Haltezeit.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Wertungen. Die kleine Wertung ergibt 1 Punkte, die große Wertung 2 – 3 Punkte.

Kleine Wertungen bekommen die Kämpfer für zum teilgeblockte Atemitechniken, für unsaubere Würfe und Übergänge vom Stand zum Boden sowie für das kontrollierte Halten des Gegners am Boden über zehn bis 14 Sekunden. Große Wertungen erhalten Kämpfer für in Kombination geschlagene und ungeblockte Atemitechniken. In Teil 2 erhält der Kämpfer einen Ippon für Hebel- oder Würgetechnik im Stand, bei denen der Gegner abklopft, oder für perfekte Würfe. In Teil 3 erhält der Kämpfer einen Ippon für das kontrollierte 15 Sekunden lange Halten des Gegners. Für Hebel- und Würgetechniken am Boden, bei denen der Gegner abklopft, erhält der Kämpfer einen Ippon mit drei Punkten.

Das Ziel des Wettkampfsystems ist es, eine möglichst realistische Verteidigungssituation zu symbolisieren. Ein Wettkämpfer ist im Kampf einer Stresssituation ausgesetzt, in der er sich behaupten muss. In einer Wettkampfsituation werden Reaktionsfähigkeit, Ausdauer, Schnelligkeit, mentale und körperliche Belastbarkeit und eine optimale Technikausführung gefordert.

Ju Jutsu wird überwiegend in Hallen ausgetragen. Die Böden sind dabei mit Schaumstoffmatten ausgelegt. Das Ju Jutsu wird barfuß und in weißen Gis ausgetragen, also im Prinzip die Hosen und Jacken, wie sie auch beispielsweise aus dem Judo und Jiu Jitsu bekannt sind. „Ein gewisses Mindestmaß an Hygiene muß also schon vorhanden sein,“ betont Johann Dekorsi, seines Zeichens Bezirksvertreter Düsseldorf beim Nordrhein-Westfälischen Ju-Jutsu Verband und seit über 30 Jahren aktiver Ju-Jutsu-Kämpfer beim Allgemeinen Turnverein in Hilden.

„Der Ju Jutsu gibt mir Ruhe und Gelassenheit. Ich kann dabei abschalten und mich auf den Sport konzentrieren,“ beschreibt er seine Begeisterung für die Sportart. „Wir trainieren hier partnerschaftlich. Daher kann ich mich schon auf meinen jeweiligen Trainingspartner verlassen. Diese Fairness ist beim Ju Jutsu schon sehr wichtig.“

Besondere körperliche oder charakterliche Eigenschaften sind nach Dekorsis Worten nicht erforderlich, wenn man den Ju-Jutsu-Sport ausüben möchte. „Das Ju Jutsu kann auf den jeweiligen Kämpfer angepaßt werden. Man kann sich diejenigen Sachen herauspicken, die einem liegen. So haben auch lebensältere, kleinere und nicht sehr kräftig gebaute Leute wie ich eine Chance.“

Nach seinen Worten ist der Wille wesentlich wichtiger. Wer nicht den Drang verspürt, zu trainieren und vorwärts kommen zu wollen, wird nach seinen Worten auch nicht langfristig Erfolg haben. „Das gemeinsame Lernen ist entscheidend. Fakten wie – beispielsweise – Beweglichkeit und Gelenkigkeit kommen dann von selbst.“

www.hildener-at.de lautet die Internetadresse, die man ansteuert, wenn man den Verein vor Ort kennenlernen möchte. Rund 100 Mitglieder gehören der Ju Jutsu Abteilung an, davon viele Kinder und rund 30 % Frauen. Die Arbeit mit den Kindern liegt Dekorsi schon am Herzen. „Sie sollen Selbstbewußtsein, aber auch Disziplin lernen. Bei uns liegt der Schwerpunkt auf der Selbstverteidigung. Bei uns gewinnt derjenige, der sich effektiv verteidigt. Siegen durch Nachgeben – so könnte man das Motto beschreiben.“

Der NWJJV ist im Internet unter www.ju-jutsu-nwjjv.de zu finden. „Bei uns in Nordrhein-Westfalen gibt es rund 8.000 gemeldete Mitglieder, von denen rund 200 aktive Sportler sind,“ berichtet Pollnow. „Sportlich gesehen gehören wir unter die Top 5 der Landesverbände.“

Kondition, Koordinationsfähigkeit, Etikette, Fairness, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und ein Auge für die Situation sind nach seinen Worten Eigenschaften, die ein guter Ju-Jutsu-Kämpfer mitbringt. „In dem Sport muß man auch mit Niederlagen umgehen können.“

„Ju Jutsu ist ein reiner Amateursport, der Spaß macht,“ stellt Pollnow seinen Zugang zu Ju Jutsu vor. „Er ist familiengeeignet. Es gibt ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Sportlern, Trainern und oft auch den Ringrichtern. Die Leistungsdichte ist noch nicht sehr hoch. Man sieht also schnell Erfolge.“

 

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