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Glima

Glima heißt eine Variante des Ringens, die aus Island kommt. Sie unterscheidet sich doch sehr von den Arten des Ringens, wie sie landläufig bekannt sind.

Glíma unterscheidet sich in vier Punkten von anderen Arten des Ringens. Die Gegner müssen immer aufrecht stehen. Die Gegner umkreisen einander ständig (ähnlich wie bei einem Walzer). Dies soll sicherstellen, daß genügend Angriffsmöglichkeiten bestehen und keine Pattsituation eintritt. Es ist nicht erlaubt, auf den Gegner zu fallen oder ihn niederzustoßen. Beides wird als unsportliches Verhalten angesehen. Die Gegner sollten sich immer über die Schulter anschauen. Das Ringen soll nicht so sehr vom Sehen, sondern mehr von Berührung und Gefühl abhängen.

Auf den ersten Blick ist Glima ein Kampf Mann gegen Mann. Man hat dann gewonnen, wenn der Gegner am Ende des Kampfes auf dem Boden liegt und man selbst noch aufrecht auf dem Boden steht. Punktregelungen – wie in den anderen Ring-Varianten – gibt es hier nicht. Es wird auf dem nackten Boden gekämpft, in der Regel in einer Sporthalle. Matten oder ähnliches wie bei anderen Arten des Ringens sind nicht üblich. Die Größe der Kampffläche ist nicht vorgegeben; als ideal gilt eine Fläche von 4 x 4 Metern. Es gibt keine Regelungen hinsichtlich der Kampfdauer. Bestimmte Äußerlichkeiten sind aber ritualisiert. So gibt man sich zu Beginn und am Ende des Kampfes die Hand. Während des Kampfes gibt der Schiedsrichter die Kommandos, die ohne Diskussion einzuhalten sind. Eine besondere Bekleidung ist zwar nicht vorgeschrieben; zumindest in den offiziellen Wettkämpfen wird aber ein Trikot getragen, das sich in der Regel farblich unterscheidet, um die beiden Kämpfer auseinanderhalten zu können. Die beiden Kämpfer tragen Spezialschuhe mit ziemlich glatter Sohle. „Es muß möglich sein, zu rutschen. Ansonsten kann es bei bestimmten Fußhebeln zu Verletzungen kommen,“ berichtet Christian Bartel von Glima Deutschland. „Im Freizeit-Glima ist es beispielsweise auch möglich, Trainingshosen und T-Shirts zu tragen.“

 

Glima gibt es in verschiedenen Kampfformen.

Die Grundvariante heißt ebenfalls Glima. Hier tragen die Kämpfer einen Gürtel um den Rumpf, der mittels Bändern und Schnüren auch am Oberschenkel befestigt ist. An diesem Gürtel werden dann die Griffe angesetzt, mittels derer man den Gegner zu Fall bringen möchte.

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Der Hryggspenna unterscheidet sich dadurch, daß hier der Gürtel fehlt. Hier müssen die beiden Kontrahenten also versuchen, ihre Griffe anderweitig anzusetzen. Dies geschieht in der Regel mit Griffen über den Rücken.

Der Lautasök wird auch Kampf-Glima genannt. „Das Kampf-Glíma (Battle-Glíma) ist der brutalste aber auch effektivste Stil. Das Ziel im Kampf-Glíma ist es, selbst aufrecht zu stehen, während der Gegner auf dem Boden liegt. Wenn beide Kämpfer zu Boden gehen, gilt es, so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu kommen. Der Kampf dauert so lange, wie beide Kämpfer sich in gegenseitiger Reichweite befinden. Der Kampf wird auch fortgesetzt, wenn ein Kämpfer, der sich am Boden befindet, den stehenden Kämpfer noch greifen könnte und es auch tut,“ berichtet Bartel. „Beim Beginn eines Kampfes in diesem Stil befinden sich beide Kämpfer in Reichweite voneinander. Wenn sich ein Kämpfer durch permanentes Ausweichen dem Kampf entzieht, wird das als feiges Verhalten gewertet und dieser Kämpfer verliert. Jede Technik, die den Gegner zu Boden bringen kann, ist prinzipiell erlaubt, aber beide Kämpfer müssen Respekt zeigen und dürfen den Gegner nicht absichtlich verletzen. Das bedeutet, das die Kämpfer bewusst kämpfen müssen und eine akzeptable Kontrolle über den Verlauf der Aktionen haben müssen; auch und gerade in der Hitze des Gefechts.“

„Glíma besitzt den Ehrenkodex Drängskap, bei dem es um Fairness, gegenseitigen Respekt und Sicherheit geht,“ betont Bartel. Die „Ehre“ ist nach seinen Worten ein wesentlicher Gesichtspunkt beim Glima-Sport. Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Geschicklichkeit sind nach seinen Worten Eigenschaften, die ein guter Glima-Kämpfer mitbringt.

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Bartel lernte Glima 2006 in der niederländischen Stadt Eindhoven kennen. Dort gab es ein Glíma-Seminar isländischer und schwedischer Ringer. Bartel und einige andere Mitglieder der Wikinger-Kampfbruderschaft "BlóðVitniR" nahmen an dem Seminar und auch an dem danach stattfindenden Abschlußturnier teil. Bei der abendlichen Feier wurde (scherzhaft) die deutsche Nationalmannschaft gegründet. Was nicht von ungefähr kam. Immerhin hatten die deutschen Teilnehmer einen ersten und einen zweiten Platz im wahrsten Sinne des Wortes errungen. Diese Nationalmannschaft wurde aber wider Erwarten von den Isländischen Besuchern sehr ernst genommen. Sie erhielt wenig später die Einladung zu den Iceland Air Open in Reykjavik.

„Bei Glima ist der historische Hintergrund sehr wichtig,“ berichtet Bartel. „Es läßt sich immerhin bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Ich mache auch gerne Wikingerspiele. Beim Glima ist der sportliche Anspruch sehr hoch.“

Derzeit ist der Mann aus der Eifel noch ein einsames Mauerblümchen bei uns in Deutschland. Es sind nur einige wenige vereinzelte aktive Glima-Kämpfer, die über ganz Deutschland verstreut leben. Eine zentrale, bundesweite Organisation, die beispielsweise Turniere und Meisterschaften organisiert und als Ansprechpartnerin fungiert, gibt es nicht.  Bartel hat zwar schon vereinzelt Glima-Seminare organisiert; einen durchschlagenden Erfolg konnte er damit bislang aber noch nicht erzielen.

Wer möchte, kann Glima im Internet unter www.glima-deutschland.net kennenlernen. Dort gibt es auch ein Video, das den Sport vorstellt.

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