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Schottische Hochlandspiele

Sie gehören zu Schottland wie Dudelsäcke und Kilts: Die Highland Games sind sportliche Wettkämpfen. Sie waren ursprünglich Bestandteil der Treffen schottischer Clans in den schottischen Highlands. Dort sind sie auch heute noch zu Hause. Na ja, fast. Auch in Krefeld gibt es eine bunte Truppe von 20 Unerschrockenen, die sich zu den „Wallace Warriors“ zusammengefunden haben. Der Name des Vereins geht dabei auf William Wallace zurück, einem ehemaligen Kämpfer für die Unabhängigkeit Schottlands, der sich gegen die Unterdrückung durch die Briten einsetzte.

Weltweit werden Highland Games von der International Highland Games Federation (IHGF) organisiert; diese veranstaltet seit 1980 auch Weltmeisterschaften. Bei uns in Deutschland gibt es den Deutschen Highland Games Verein (www.german-highlander.de), der in Kempen ansässig ist.

Die Highland Games stammen aus der Zeit der keltischen Könige in Schottland. Sie wurden ausgetragen, um die stärksten und schnellsten Männer Schottlands zu finden, die dann oft für den König Leibwächter und Boten wurden.

Die Highland Games werden von traditioneller Musik, besonders dem Dudelsackspiel, und Tänzen begleitet. Auch hierbei werden Wettkämpfe ausgetragen.

Die berühmtesten Disziplinen gehören zu den Heavyweights. Es sind Baumstammüberschlag, Steinstoßen und Hammerwerfen. Bei einem Turnier tritt jede Mannschaft in 11 Disziplinen an.

An dieser Stelle sollen erst einmal die Einzeldisziplinen vorgestellt werden, bevor es zu den Mannschaftsdisziplinen geht.

Beim Baumstammüberschlag wird ein Baumstamm aufgenommen und zum Überschlag gebracht. Die maximale Größe des Baumes liegt dabei bei 5,50 Meter und 60 Kilogramm. „Es muß ein Holzstamm verwendet werden. Der Baumstamm wird angehoben und nach einem Anlauf so geworfen, daß er möglichst auf einer gedachten 12:00 Uhr-Linie liegenbleibt,“ beschreibt Klaus Peltzer, 1. Vorsitzender der Wallace Warriors, den Baumstammüberschlag. Die Krefelder Warriors beziehen ihre Baumstämme über einen befreundeten Förster.

Beim Gewichtsweitwurf wird ein Gewicht aus dem Stand oder aus der Drehung heraus geworfen. Das Gewicht besteht aus einer Kugel und einer Kette, beide aus Metall. Das Gewicht wiegt 12,7 Kilo hat eine Gesamtlänge von 43 cm und wird mit einer Hand geworfen. Jeder Teilnehmer hat jeweils drei Versuche, von denen der beste gewertet wird. Das Gewicht kann aus einem rechteckigen Abwurfbereich (Maße: Breite: 1,37 m Länge: 2,745 m) oder aus einem Kreis mit einem Durchmesser von 2,745 m geworfen werden.

Beim Steinstoßen wird ein Stein gestoßen. Das Gewicht variiert je nach Wettkampf zwischen 7,25 und 15 kg. Der Sportler steht dabei in einem Kreis von 2,13 m Durchmesser. Wie in der regulären Leichtathletik auch darf der vordere Begrenzungsbalken nicht überschritten werden. Jeder Athlet hat 3 Versuche, von denen der beste gewertet wird. „Wir sammeln die Steine, die wir für diese Disziplin brauchen, am Rhein,“ erzählt Peltzer.

Beim Gewichtshochwurf werfen die Sportler Gewichte mit nur einem Arm rücklings über ein Seil. Dieses Seil wird – ähnlich wie beim Hochsprung in der Leichtathletik – in unterschiedlicher Höhe angebracht; nach jedem gültigen Versuch wird das Seil 15 cm höher angebracht. Das Gewicht variiert je nach Wettkampf und kann von 12,7 bis 19 kg wiegen. Der Abwurfpunkt ist unterhalb des Gestänges. Die Anlage ist bei den Warriors in Eigenbau entstanden.

Nächste Disziplin ist der Strohsackhochwurf. Dabei wird ein Strohsack über ein Seil, das in unterschiedlicher Höhe angebracht ist, mit einer Forke nach oben geworfen. Die üblicherweise erreichten Höhe liegen zwischen 3 und 6 Meter. Forken sind landwirtschaftliche Geräte, die wie überdimensionierte Gabeln aussehen. „Wir füllen die Strohsäcke natürlich eigenhändig und nähen sie dann zu,“ berichtet Peltzer. „Auch die Anlage dafür haben wir selbst gebaut.“

Beim „Stone of Manhood“ wird ein großer Stein angehoben und über eine Distanz von rund 5 Metern getragen und dann auf einen rund 150 cm hohen Podest abgelegt. Der Stein wiegt zwischen 65 bis 110 kg.

Als nächstes wäre die Disziplin „Baumstämme ziehen“ zu nennen. Dabei werden zwei Baumstämme, deren Länge und Gewicht variieren können, 1 Minute lang im Kreis gezogen. Gestartet wird auf Kommando des Schiedsrichters auf einer Start- und Ziellinie. Gezählt werden hier nur vollständige zurückgelegte Runden, bei denen Teilnehmer und die Spitzen der Stämme über die Ziellinie gekommen sind.

Die Sportler tragen beim Farmerswalk jeweils 2 Baumstämme wie Koffer über eine vordefinierte Distanz. Die Gewichte sind 50 – 80 kg schwer. Sie dürfen zu keinem Zeitpunkt den Boden berühren. Gewertet wird nach zurückgelegter Entfernung.

Beim Stammziehen wird ein Stamm an einem Seil befestigt. Dieser Stamm wird dann von jedem Mannschaftsmitglied so schnell wie möglich über eine Strecke von 10 Meter hinter sich hergezogen. An der Ziellinie wartet dann das nächste Mannschaftsmitglied, um „abzuklatschen“. Ob es hier Vorgaben hinsichtlich Länge und Gewicht des Stammes gibt, ist auf den Internetseiten der Warriors leider nicht ersichtlich.

Nächste Disziplin ist das Bogenschießen. Hier wird aus einer vorher festgelegten Disziplin mit Pfeil und Bogen auf eine Zielscheibe geschossen. Je nachdem, wie nah man an die Mitte der Zielscheibe gekommen ist, erhält man auch mehr Punkte.

Beim Hufeisenwerfen wirft der Teilnehmer ein Hufeisen so nah wie möglich an einen Stock. Je näher man an den Stock herankommt, desto mehr Punkte erhält man. Jeder Teilnehmer hat drei Versuche.

Damit verlassen wir auch schon das Gebiet der Einzeldisziplinen. Und kommen damit zu dem Bereich der Mannschaftsdisziplinen.

Da wäre der Baumstammslalom zu nennen. Die Mannschaft besteht aus fünf Leuten. Sie nehmen einen Baumstamm auf die Schulter und starte auf Kommando des Schiedsrichters durch einen vorher abgesteckten Slalomparcour. Die Zeit wird erst dann gestoppt, wenn das letzte Mitglied der Mannschaft die Ziellinie überschritten hat.

Das Faßrollen ist die nächste Disziplin. Das Faß ist hier nicht etwa leer, sondern mit Sand gefüllt. Es wird von zwei Mannschaftsmitgliedern um einen vorgegebenen Kreisparcours über eine Start- und Ziellinie gerollt. Dort übernehmen zwei andere Mannschaftsmitglieder das Faß und rollen es zurück zur Startlinie, wo es noch einmal zum Wechsel kommt. Ein 1 Teilnehmer der ersten Paarung oder ein Ersatzmann muß dann die letzte Runde mitlaufen. tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/tutorials/Schotten 4.JPG

Das Faßlaufen ist auch eine Mannschaftsdisziplin. Hier kommt es auf die Zeit an, die man benötigt. Es ist eine Art Staffellauf. Ein Athlet pro Mannschaft läuft mit einem Faß in der Hand zu einem Teamkollegen auf der gegenüberliegenden Seite, um ihm dieses Faß zu übergeben. Bei der Übergabe müssen die beiden Sportler darauf achten, daß das Faß erst vor dem Mannschaftskollegen abgestellt wird, bevor der das Faß dann aufnimmt und die gleiche, vorher festgelegte Strecke zurückläuft. Jedes Mitglied der Mannschaft muß einmal laufen. Die Zeit wird erst dann gestoppt, wenn der letzte in der Mannschaft über die Ziellinie läuft.

Beim Huckepacklauf laufen zwei Leute aus einer Mannschaft (im Huckepack) eine Strecke von 15 Metern hin und zurück. An der Start-/Ziellinie warten schon die nächsten Läufer, um „abzuklatschen“. Es werden insgesamt 3 Runden gelaufen. Jedes Mannschaftsmitglied muß in den Lauf einbezogen werden.

Die letzte Disziplin, die hier erwähnt werden soll, ist das Tauziehen. Hier stehen 5 Personen auf jeder Seite. Beim Kommando „Hebt an“ wird das Seil aufgenommen. Erfolgt das Kommando „Spannen“, bringen die beiden Mannschaften das Seil in Spannung. Erfolgt das Kommando „Go“ und wird gleichzeitig eine Forke an der Mittelmarkierung angebracht, kann das Kräftemessen erfolgen. Sieger ist die Mannschaft, die ihren Gegner bis zur jeweiligen Markierung auf seine Seite herübergezogen hat. „Der Fairness halber wird mit nackten Füßen gezogen,“ berichtet Peltzer. tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/tutorials/Schotten 2.JPG

Ein Wettkampf muss aus mindestens 5 Disziplinen bestehen. Wenn nur 5 Disziplinen durchgeführt werden, darf keine doppelt vertreten sein. Die Reihenfolge der Disziplinen ist im Normalfall Putting the Stone / Steinewerfen, Weight for Distance / Gewichtweitwurf, Scottish Hammer, Weight for Height / Gewichthochwurf und Tossing the Caber / Baumüberschlag. Wer die genauen Wettkampfregeln wissen möchte, sei an dieser Stelle an den Internetauftritt des Deutschen Highland Games Verband (www.german-highlander.de) verwiesen.

Traar ist ein eher ländlicher Stadtteil von Krefeld. Viel Landwirtschaft gibt es dort, mit Kühen, Gänsen, Enten, Eseln und was es an Getier sonst noch dazu gehört. Ihr Vereinsheim haben die 20 Krefelder, die den Wallace Warriors angehören, in der Gaststätte „Zum Bären“. Die Trainingswiese ist rund 100 Quadratmeter groß und ist ein abgetrennter Bereich auf dem Bauernhof Schulte-Bockholt auf der Nieper Straße.

Was nicht ganz von ungefähr kommt. Man habe sowohl das örtliche Grünflächenamt wie auch das Sport- und Bäderamt um Hilfe bei der Suche nach einer geeigneten Trainingsfläche gebeten. „Es war aber leider niemand in der Lage, uns zu helfen,“ berichtet Peltzer. Zu unbekannt ist die Sportart. Ob wohl auch die Angst mitspielt, daß der Rasen dabei kaputtgeht.

Die Wallace Warriors gibt es erst seit 2011. Und sind trotzdem schon erfolgreich. So ist Raffaela Büscher beispielsweise nordrhein-westfälische Landesmeisterin 2011, deutsche Vizemeisterin 2011 und deutsche Mannschaftsmeisterin 2012. tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Zorbas/Schotten 3.JPG

„Einer für alle, alle für einen,“ bringt Peltzer das Motto der Mannschaft auf den Punkt. Druck auf die Spieler sollte da nicht aufkommen. „Wir sind als Mannschaft nur zusammen stark.“ Besondere sportliche Fähigkeiten sind nach seinen Worten nicht unbedingt von Nöten, wenn man an den schottischen Hochlandspielen teilnehmen möchte. „Teamgeist und Geselligkeit sollten aber schon – als charakterliche Voraussetzungen – schon vorhanden sein.“

Der fehlende Leistungsdruck, der Zusammenhalt im Verein und die Außergewöhnlichkeit des Sports machen für ihn die Faszination des Sports aus. Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit machen ihn nach seinen Worten aus. „Ich liebe Schottland. In meinem Herzen bin ich ein halber Schotte,“ berichtet Peltzer, der im Verein auch als Übungsleiter aktiv ist.

Dudelsackmusik ist bei den Trainingseinheiten nicht unbedingt zu hören. Kilts tragen die Aktiven aber schon. In Krefeld seien sie nicht zu erhalten und in Schottland zu teuer, wie Peltzer bedauert. Sie werden über den Versandhandel besorgt. Die Frage, was man darunter trägt, läßt sich auch ganz schnell beantworten. Nämlich handelsüblich schwarze Leggins. „Das ist durch das Regelwerk so vorgeschrieben. Der Zuschauer möchte ja bestimmt nicht alles sehen, was der Sportler darunter hat, wenn der Kilt mal nach oben rutscht. Und im Übrigen ist der Kilt auch für den Herrn ein angenehmes Kleidungsstück,“ berichtet Peltzer.

WWW.wallacewarriorscrefeld.com – wer diese Internetadresse ansteuert, der wird nähere Informationen über die Mannschaft, Regeln, Termine und vieles mehr erhalten.

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