Diese Webseite verwendet Cookies, um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren.

Das Berittene Bogenschießen

Alles Glück auf Erden sitzt auf dem Rücken von Pferden. „Stimmt genau,“ berichtet Frank Fuhrmann. Der Kaufmännische Angestellte aus Neukirchen-Vluyn ist nicht nur stolzer Besitzer eines Pferdes. Er betreibt auch die Sportart „Berittenes Bogenschießen“.

Kriegerische Reiternomaden sind schon aus der Zeit der Kimmerer, Skythen und Sarmaten bekannt, also in grauer Vorzeit. Auch die Mongolen und Türken gelten als Anhänger dieser Kampf- und Lebensform. Doch irgendwann geriet das Berittene Bogenschießen überall auf der Welt in Vergessenheit. Es sollte bis in die 1980er Jahren dauern, bis der Ungar Lajos Kassai das Berittene Bogenschießen wiederentdeckte und eine moderne Wettkampfform daraus machte.

Qabaq ist die älteste überlieferte Wettkampfform im berittenen Bogenschießen. Sie ist türkischen Ursprungs und wurde bis in die Anfänge des vorigen Jahrhunderts in Georgien noch praktiziert. Bei diesem alten Sport stehen sich zwei Mannschaften gegenüber. Abwechselnd reitet ein Schütze unter einem 8 bis 12 m hohen Mast hindurch und schießt dabei senkrecht nach oben auf eine an der Spitze des Masts befestigte Vase. In seiner ursprünglichen Form wurde auf einen hohlen getrockneten Kürbis geschossen, weshalb das Spiel auch den Namen Qabaq (türkisch: Kürbis) trägt. tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Foto berittenes Bogenschiessen.jpg

Die Japaner üben sich in der ältesten heute noch praktizierten Tradition des berittenen Bogenschießens: das Yabusame. Sie können auf eine über 700 Jahre lange, ungebrochene Geschichte zurückweisen. Beim Yabusame soll der Reiter drei Scheiben treffen, die etwa 60 Schritt voneinander entfernt sind. Es wird nur zur Seite geschossen. Yabusame ist ein altes Ritual, das zum Segen des Himmels und der Erde abgehalten wird, um den Wohlstand und Frieden im Universum zu mehren.

Bei der japanischen Richtung des berittenen Bogenschießens gibt es drei Arten von Wettkämpfen: Yabusame als religiöses Ereignis, Kasagake als Wettbewerb und Inuoumono, wobei auf Hunde geschossen wurde.

Beim Kassai-Wettkampf wird auf einer Wettkampfbahn aus verschiedenen Richtungen auf ein Ziel geschossen, nach vorne, zur Seite und nach hinten. Die Bahn ist 99 m lang und in der Mitte steht, 9 m seitlich versetzt und in 2 m Höhe, die sich drehende Zielscheibe, deren Auflage in Richtung des Reiters zeigt.

Sowohl die Länge der Wettkampfbahn als auch die erlaubte Zeit, sie im Galopp zu durchreiten, wurden im Laufe der Zeit geändert. In den frühen 1990er Jahren hatte man 14 Sekunden, um eine 90 m lange Bahn zu absolvieren, heute sind es 20 Sekunden für 99 m.

Der Ungarische Wettkampf richtet sich nach der Ursprungsform des Kassai-Wettkampfes. Er wird auf diese Art in Amerika, Asien und vor allem in Europa durchgeführt und wird deshalb auch Europäischer Wettkampf (European Competition) genannt.

Beim Ungarische Wettkampf des berittenen Bogenschießens kann sich die Leistung des berittenen Bogenschützen über mehrere Durchläufe/Galopps entfalten. Hierbei wird auf einer Wettkampfbahn auf drei verschiedene Ziele geschossen, nach vorne, zur Seite und nach hinten.

Die Bahn ist 90 m lang und in der Mitte stehen, 9 m seitlich versetzt und in 2 m Höhe, drei Zielscheiben, eine in Richtung Bahnanfang, eine parallel zur Bahn und eine in Richtung Bahnende. Die Bahn ist in drei gleichlange Abschnitte unterteilt, im ersten Abschnitt wird auf die zum Bahnanfang zeigende Scheibe geschossen, im zweiten Abschnitt auf die parallel angeordnete Scheibe und im dritten Abschnitt auf die letzte, nach hinten gerichtete Scheibe.

tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Frank Fuhrmann Bogenschuetze.jpgDas Zeitlimit bei diesem Wettkampf liegt bei 16 - 18 Sekunden. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre bekommen zusätzlich 2 Sekunden dazugezählt.

Damit das untere Ende des Bogens nicht den Rücken des Pferdes berührt, nutzen die Sportler einen eher kurzen oder stark asymmetrischen Bogen. Das stellt natürlich ganz besondere Anforderungen an den Schützen, wie auch Fuhrmann betont. In der Regel wird beim Bogenschießen die sogenannte Daumentechnik verwendet. Dabei wird der Pfeil unter dem Nockpunkt auf der rechten Seite des Wurfarmes angelegt. Der Nockpunkt ist eine Markierung etwas oberhalb der Bogensehne, unter der der Pfeil zum Schuß aufgesteckt („angenockt“) wird. Bei der Daumentechnik zieht nur der mit dem Zeigefinger verriegelte Daumen der Zughand die Sehne. Als ein Vorteil der Daumentechnik gilt, daß es nicht so leicht zu Beschädigungen des Bogens kommt und genauere Schüsse möglich sind.

Kurz vor dem Schuß liegen die Zügel locker auf dem Pferdehals auf. Es ist für den Reiher also schwieriger, das Pferd zu lenken.

Bei uns in Deutschland wird überwiegend der Kassai-Stil praktiziert, wie Fuhrmann betont. Entscheidend dabei ist, daß ein abgesteckter Parcours in einer vorgegebenen Zeit passiert wird. Es gibt einen Scheibenturm, der runde Zielscheiben mit einem Durchmesser von 90 cm enthält. Je nachdem, wo man sich gerade befindet, trifft man die Zielscheibe auch unterschiedlich. Der Reiter schießt so viele Pfeile, wie er kann. Das Zeitlimit liegt bei 18 Sekunden. Vor dem Parcours gibt es eine Startfläche von 20 Metern, außerdem eine Fläche von 20 Metern nach dem Parcours, in der das Pferd gestoppt werden kann. „Bin ich schneller als die 18 Sekunden, gibt es eine Zeitgutschrift,“ berichtet Fuhrmann.

Für den Wettkampfbereich sind die Parcours vorgeschrieben. Trainieren kann man aber auch in Reithallen, so, wie es Fuhrmann auch machen muß. „Die nächste Wettkampfbahn ist in Baasem in der Eifel. Dann gibt es noch eine Wettkampfbahn in Bescheid im Hunsrück.“

Fuhrmann gehört dem Verein „Die Steppenreiter Vereinigung berittener Bogenschützen“ an. 120 Mitglieder aus ganz Deutschland gehören ihm. In Sachsen und Bayern gibt es deutlich mehr Parcours. Dort ist der Spot auch bekannter und stärker vertreten. Claus Mayer ist ein Tierarzt aus Rommerskirchen. Mit vier deutschen Meistertiteln gilt er aus einer der erfolgreichen Sportler seiner Zunft, wie Fuhrmann berichtet.

Prinzipiell ist jede Pferdeart für das berittene Bogenschießen geeignet. „Es ist wohl eher eine Charaktersache,“ meint Fuhrmann. „Man muß die Pferde zuerst an das Bogenschießen gewöhnen. Allein schon das Abschußgeräusch ist für sie ungewohnt. Durch die Spannung im Bogen gibt es auch eine Spannung im menschlichen Körper, die sich auch auf das Pferd überträgt. Außerdem muß man das Pferd durch Gewichtshilfen dirigieren können. Es dauert also schon einige Zeit, bis man das Pferd dirigieren kann." Zumindest im Wettkampfgeschehen sollte man schon mit Sattel und Zaumzeug reiten.

Besondere Fähigkeiten werden vom Bogenschützen nicht unbedingt erwartet. Reiterliche Fähigkeiten sollten aber schon vorhanden sein. Eine spezielle Bekleidung ist nicht erforderlich. Der Reiter sollte allerdings auf festes Schuhwerk und enganliegende Kleidung achten, um nicht Probleme mit dem Bogen zu bekommen. „Es wird gern gesehen, wenn man originale Kleidung aus den Herkunftsregionen trägt.“

Der Bogen ist ein normaler Bogen ohne Hilfsmittel. Es gibt keinerlei Auflagen. Holz, Horn, Fieberglas – aus diesen Materialien besteht der Bogen, die Sehne aus Kunstfaser. Daß die Bögen etwas kleiner als gewöhnliche Bögen sind, sei hier auch erwähnt. Schließlich soll man sie ja auf einem Pferd benutzen können. Einen guten Reiterbogen bekommt man schon für rund 130 Euro bekommen.

Die Pfeile, die beim berittenen Bogenschießen benutzt werden, sind länger als gewöhnliche Pfeile. Die Befiederung ist 7 bis 8 cm – vom Ende her gesehen – angebracht. Es gibt Nocken = Kerben am Ende des Pfeils. „Die Pfeile sind auf Schnelligkeit angelegt. Man möchte ja möglichst viele Pfeile in möglichst kurzer Zeit abschießen.“ Außerdem gibt es Fangnetze hinter den Zielscheiben. Ein Pfeil kann, wenn er sein Ziel verfehlt, immerhin 200 Meter weit fliegen. Und da in der kurzen Wettkampfzeit nicht präzise gezielt werden kann, der Sportler also eher intuitiv schießt, kann es durchaus sein, daß mal der eine oder andere Pfeil daneben geht. „Es ist wie beim Handballer. Der wirft ja auch dahin, wohin er sieht, ohne groß zu überlegen,“ bringt Fuhrmann einen Vergleich. Die Pfeile bestehen in der Regel aus Karbon, Holz, Bambus oder Aluminium.

„Das berittene Bogenschießen ist eine Symbiose. Es bietet Harmonie zwischen Reiter und Pferd. Das Pferd bewegt sich. Als Sportler kann man sich auf das Schießen konzentrieren. Es ist eine Einheit zwischen Körper und Geist,“ berichtet Fuhrmann.

www.diesteppenreiter.de – unter dieser Internetadresse ist die Deutsche Vereinigung der berittenen Bogenschützen im Internet erreichbar. Dort kann der Leser sehr viel über die Geschichte der Sportart, Regeln, Techniken, Veranstaltungen und vieles mehr erfahren. Da das Verein gesamtdeutsch organisiert ist, kann er natürlich keine Ansprechpartner vor Ort angeben.

Angela Graefen ist Fotografin. Von ihr stammen die Bilder. Viele weitere Bilder vom berittenen Bogenschießen sind in Flickr zu sehen.

Zurück