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Polo

Polo ist eine Sportart, die ursprünglich aus dem Iran und Afghanistan stammt und dann über England zu uns nach Deutschland gekommen ist.

Die Größe eines Spielfeldes beträgt 300 Yards (ca. 274 Meter) mal 200 yd (ca. 183 m). Die Begrenzung eines Spielfeldes besteht an den langen Seiten aus den 30 cm hohen, meist hölzernen, Brettern ("boards") und an den kurzen Seiten, den Torseiten, aus im Gras gekennzeichneten Linien.

Als Spielmarkierung wird das Feld mit insgesamt sieben gedanklichen Linien unterteilt, deren Anfang- und Endpunkte an den gegenüberliegenden Boards gekennzeichnet sind. Es gibt eine Mittellinie und jeweils eine 60-Yards-, 40-Yards- und 30-Yards-Linie in jeder Spielfeldhälfte. Diese Linien zeigen an, wo Freistöße ausgeführt werden.

Jedes Tor besteht aus zwei ca. 3 m hohen, konischen, meist umflochtenen Torpfosten und ist 8 yd (ca. 7,20 m) breit. Die Pfosten sind nicht fest im Boden verankert, sondern geben nach, wenn ein Reiter mit seinem Pferd in der Hitze des Gefechtes dagegenstößt. Sie können sogar gänzlich umfallen. Zwei Torrichter, je mittig hinter den Toren platziert, zeigen mit einer geschwenkten Fahne an, ob der Ball ins Tor oder daneben gegangen ist. Fahne oben geschwenkt bedeutet "Tor", Fahne unten geschwenkt bedeutet "außerhalb des Tores und Spielfeldes".

Durch weiteres Hilfspersonal wird bei Turnieren unter anderem die Zeit genommen und die Glocke geläutet, Protokoll geführt, die Ergebnis-Anzeigetafel bedient und die umgerittenen Begrenzungsbretter ("boards") wieder aufgestellt.

Die Betreuung der Pferde übernehmen die Pferdepfleger der Pferdebesitzer und Polospieler.

Gespielt wird mit zwei Mannschaften zu je meist vier Spielern. Daneben reiten zwei berittene Schiedsrichter mit, und ein Oberschiedsrichter steht in der Mitte des Spielfeldes am Spielfeldrand, um bei strittigen Richtersprüchen eine endgültige Entscheidung zu fällen. Das Spiel ist in mehrere Zeitabschnitte (sog. Chucka, auch „Chukker“, „Chukka“) eingeteilt. Jeder Zeitabschnitt dauert sieben Minuten. Ein Spiel dauert in der Regel 4 Solche Chukkers. Nach jedem erzielten Tor stellen sich alle Spieler in der Spielfeldmitte zum "line up" gegenüber auf; der Schiedsrichter bringt den Ball dann wieder ins Spiel. Die Spielrichtung wechselt nach jedem Tor. So sollen einseitige Vorteile – beispielsweise durch den Sonnenstand oder ein eventuelles Geländegefälle – ausgeglichen werden.

Ein throw in des Balles erfolgt jeweils am Anfang eines Zeitabschnittes, dort wo der vorangegangene Zeitabschnitt geendet hat. Gerät der Ball über "Boards" ins Aus, wird das "throw in" von diesem Punkt ausgeführt. Der englische Begriff „throw in“ meint, daß der Schiedsrichter den Ball freigibt.

Der Schutz der Pferde ist die oberste Maxime des Regelwerks. So darf ein Pferd nicht in zwei aufeinander folgenden Chuckas eingesetzt werden. Diese Regel erzwingt es, dass ein Spieler pro Turnier mit mindestens zwei Pferden anreisen muß. „In der Praxis tritt ein Polo-Spieler mit vier Pferden an,“ berichtet Dr. Ehrhard Liebrecht vom Niederrheinischen Polo Club Xanten. „Polo ist ein sehr schnelles Spiel, das den Pferden viel abverlangt. Da macht es keinen Sinn, nur zwei Pferde pro Spiel einzusetzen.“

Ein Spieler darf in den Schläger eines Gegenspielers mit seinem eigenen einhaken, um diesen beim Schlagen des Balles zu behindern. Der Schläger darf aber nur kurz vor dem Schlag eingehakt werden, nicht etwa schon dann, wenn der Schläger des Gegenspielers sich noch in der Senkrechten befindet.

Der Gegenspieler darf mit dem eigenen Körpers oder dem des Pferdes von der Linie abgedrängt werden (sog. "abreiten"). Fairness ist dabei sehr wichtig. Es darf dabei beispielsweise mit Ellenbogentechnik gearbeitet werden. Es ist zwei Spielern derselben Mannschaft nicht erlaubt, einen Spieler der Gegenmannschaft in die Zange zu nehmen.

Das wohl häufigste Foul im Polosport besteht in der Wegerechtsverletzung. Wenn sich der Ball nach einem weiten Schlag in Bewegung befindet und mehrere Spieler ihm hinterherjagen, hat derjenige Spieler das Wegerecht, der sich der Bewegungslinie des Balles am nächsten befindet. Wenn ein anderer Spieler die gedachte Linie zwischen dem Ball und dem Spieler mit Wegerecht kreuzt, begeht er ein Foul.

Jeder Polospieler hat je nach Leistungsstärke ein persönliches Handicap, das bei -2 beginnt und bis +10 gehen kann. Die Summe der vier Einzel-Handicaps bilden das Gesamt-Handicap einer Mannschaft. Wenn Mannschaften mit unterschiedlichen Handicaps antreten, erhält die Mannschaft mit dem geringeren Handicap einen Tore-Vorsprung.

Die Spieler müssen einen Helm tragen. Polohelme fallen breiter aus als klassische Reithelme, das hat aber rein ästhetische Gründe, weil der Polohelm seine Wurzeln in den Tropenhelmen der Kolonialzeit hat.

Polohemden gehören zur klassischen Ausstattung der Reiter. Das Polohemd ist ein kurzärmeliges T-Shirt aus Waffelpiqué mit gestricktem Kragen und Knopfleiste. Wurden noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts klassische weiße Reithosen (oftmals in ihrer ausgestellten Form, „Breeches“) getragen, so sieht man heutzutage fast ausschließlich weiße Jeans, entweder normale Freizeitmodelle oder spezielle Varianten ohne Innennaht.

Gerne werden „Gaucho Belts“, Gürtel mit traditionellen argentinischen Webmustern, getragen. Dick gepolsterte Lederknieschoner werden gegen Knieschläge verwendet. Die typischerweise braunen und mit Reißverschluss ausgestatteten Polostiefel sind oft mit Sporen versehen. Häufig tragen die Spieler spezielle Handschuhe mit verstärktem Rücken als Schutz gegen Schläge.

Der Sitz eines Polosattels ist häufig aus Rauleder. Traditionelle Sättel haben statt den Sattelgurtschnallen einen langen Lederriemen, der öfters durch einen großen Ring gewickelt wird und so den Bauchgurt spannt. Zusätzlich haben Sättel beim Polosport zur doppelten Absicherung noch einen eigenen Sicherheitsgurt, der über den Sattel verläuft, falls sich während des Spiels der Sattel lockert oder gar löst. Auf den Sattelblättern findet man keine Kniepauschen, wie auf europäischen Sätteln.

Prinzipiell kann jegliches traditionell verwendete Zaumzeug verwendet werden. Das Gebiß der Zäumung ist meist scharf, um die Kontrolle bei höheren Geschwindigkeiten unbedingt zu behalten. Es wird durchgehend mit Doppelzügel geritten.

Wie bei anderen Pferdesportarten auch werden Bandagen, Gamaschen, Springglocken und sonstige Hilfsmittel zum Schutz der Pferdebeine verwendet. Im Unterschied zu anderen Pferdesportarten werden aber oft auch die Pferdebeine bandagiert und darüber Sehnenschoner bzw. Gamaschen angelegt.

Da sich der Poloschläger beim weiten Ausholen im Pferdeschweif verfangen würde, wird der Schweif heutzutage bandagiert, früher gar gänzlich kupiert. Die Mähnen sind aus ähnlichem Grund geschoren, damit das Langhaar nicht bei der Zügelführung und der Sicht auf den Ball stört.

Der Poloschläger wird immer rechts gehalten (auch von Linkshändern). Er besteht aus einer hölzernen zylinderförmigen Schlagfläche, die an der dem Pferd zugewandten Seite abgeschrägt ist und wegen ihrer Form auch „Zigarre“ genannt wird. Die Griffverlängerung ist aus Bambus oder Faserverbundwerkstoff gefertigt. Der Griff ist ähnlich geformt wie bei einem Sportsäbel. Eine Schlaufe, die um den Daumen gelegt und dann über den Handrücken geführt wird, verhindert, dass der Spieler seinen Schläger verliert, wenn er ihn loslässt. Die Länge der Schläger variiert je nach Größe des Spielers und seines Pferds. Gängige Poloschläger reichen von 48 bis 53 Zoll.

Die Polobälle für normales Graspolo sind sieben bis acht Zentimeter groß, wiegen ca. 130 Gramm, sind weiß und bestehen ausschließlich aus Hartkunststoff.

Der Spielbetrieb findet in der Regel von Mai bis Ende September statt; in dieser Zeit wird auch trainiert. Polo wird auf einer Rasenfläche gespielt. „Man braucht schon widerstandsfähigen Rasen, das auch im Winter nachwächst und die Löcher schließt,“ wie Liebrecht betont.

Und was macht nach seiner Einschätzung den idealen Polospieler aus? „70 % reiten können, 10 % Können am Ball, 10 % Mannschaftsverständnis und 10 % Glück,“ antwortet der studierte Jurist wie aus der Pistole geschossen. „Pferde sind keine Geräte, sondern Partner. Sie können leicht an den Sport herangeführt werden, indem man sie daran gewöhnt. Ein gutes Polo-Pferd ist antrittsschnell, klein und hat einen hohen Vollblutanteil.“

Da Polo nach Liebrechts Worten „ein anstrengender Sport“ ist, gehören Kondition, Athletik, Reaktionsschnelligkeit, eine gute Hand-Auge-Koordination sowie räumliches Denken ebenfalls für einen guten Polo-Spieler dazu. „Polo erfordert Konzentration, Beweglich und Flexibilität.“

Rund 300 aktive Polo-Spieler gibt es nach Einschätzung von Liebrecht, seines Zeichen selbst Deutscher Vizemeister. Hamburg und der Niederrhein sind dabei Hochburgen bei uns in Deutschland. Der Kampf, die Schnelligkeit und das Reiten mit Pferden sind für ihn die Argumente, die Liebrecht für den Sport begeistern. Die beiden Pferde, die hier rechts zu sehen sind, sind Pferde, die Liebrecht tatsächlich schon bei Spielen eingesetzt hat.

Wer nähere Informationen zu dem Sport sucht, kann dies im Internet unter www.dpv-poloverband.de bzw. www. gestuet-ullenboomshof.de (für den Xantener Verein) tun.

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