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Arirang stammt aus Korea

Arirang heißt das beliebteste Volkslied der Koreaner. Nach ihm hat sich eine Tanzgruppe benannt, die eher traditionelle Tänze vorführt. Die Gruppe gibt es seit dem Jahre 1996. „Wir waren damals 11 Frauen. Die meisten von uns waren nach Deutschland gekommen, um hier als Krankenschwestern zu arbeiten, “ berichtet Shin-Sin Suh, die Leiterin der Gruppe. „In der Anfangszeit solle das Heimweh gestillt werden. Wir sind gut integriert, fühlen uns in unserer neuen Heimat auch wohl. Wir haben auch alle eine Familie hier. Die meisten Frauen sind mit einem Deutschen verheiratet.“ Doch die Erinnerung an die koreanische Heimat könne man nicht einfach so auslöschen. Inzwischen ist bei der Zielsetzung aber auch ein Wandel eingetreten. Arirang möchte inzwischen auch die koreanische Kultur ein wenig bekannter bei uns in Deutschland machen.

Frau Suh kam 1973 als Krankenschwester nach Deutschland. Sie habe zunächst nur für ein geringes Gehalt gearbeitet, erinnert sie sich. Irgendwann stand dann fest, daß auch sie bei uns in Deutschland bleiben würde.

Derzeit gehören der Gruppe rund 20 Mitglieder aus dem ganzen Ruhrgebiet an. Jeweils montags und dienstags sind die Zeiten, in denen sich die Damen zu ihren Übungsstunden treffen. Wer nähere Daten zu Terminen und Ansprechpartner sucht, sei hier an „Wir sind Du“ verwiesen. Im Internet findet man unter www.wir-sind-du.de nähere Informationen.

Arirang greift mit seinen Tänzen an eine Tradition, die es schon lange in Korea gibt. Die Sekundärliteratur verweist dabei auf den  Zusammenhang zwischen der traditionellen koreanischen Kampfkunst Taekgyeon und Tal Jum. Da viele der tänzerischen Bewegungen identisch sind, ist davon auszugehen, dass sich diese beiden Kulturgüter gegenseitig beeinflusst haben.

In der Theorie gibt es einen Unterschied zwischen Hoftänzen und Volkstänzen. Verbreitete Hoftänze sind die Jeongjaemu, die an Banketten vorgeführt werden. Ilmu ist eine andere verbreitete Form von Hoftanz: ein Linientanz, der bei Konfuzianischen Ritualen vorgeführt wurde. Jeongjaemu wird unterteilt in einheimische Formen (Hyangak Jeongjae) und importierte Formen (Dangak Jeongjae). Ilmu wird unterteilt in zivile Tänze (Munmu) und militärische Tänze (Mumu). Interessant dabei ist, daß Suh an dieser Stelle eher den Begriff „Bauerntanz“ benutzt.

Wer in der Internetenzyklopädie Wikipedia nachschaut, wird dort Tänze wie „Mugo“, „Ganggangsullae“, „Gainjeonmokdan“ und „Cheoypmg“ finden. Diese teilweise in englischer Sprache verfaßten Texte sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. „Ich kenne diese Texte alle nicht“, gesteht Frau Suh. „Bei uns kommen sie jedenfalls nicht vor. Es gibt aber noch Institute, wo sie unterrichtet werden“

Die traditionelle Choreographie von Hoftänzen ist in vielen modernen Produktionen anzutreffen, wenn auch an das jeweilige Programm angepaßt.

Volkstänze werden häufig in religiöse und nicht-religiöse Tänze unterteilt. Religiöse Tänze werden von einem Mönch oder Schamanen geleitet, nicht-religiöse Tänze sind vom einfachen Volk getanzt. Religiöse Tänze werden als schamanische Riten (Gut) vorgeführt. Nicht-religiöse Tänze umfassen sowohl Gruppentänze als auch Tänze für einzelne Personen.

Folgt man Suh, gibt es allerdings auch noch andere Unterteilungen. So gibt es beispielsweise den Trommeltanz (Jang-Go), den Fächertanz (Buche Tschum) oder den Maskentanz, der nicht im Programm von Arirang enthalten ist.

Suh zufolge gibt es einige Techniken, die beim koreanischen Tanz schon wichtig sind.  Es fängt bei der Atemtechnik an. „Das Einatmen und Ausatmen muß zum Takt der Musik passen. Die Bewegungen sind sehr langsam. Lateinamerikanische Tänze sind wesentlich schneller.“

Die Füße werden beim Tanzen abgerollt. Die Tänzerinnen treten also mit dem Fußball zuerst auf, dann mit der Fußmitte und mit den Zehen zuletzt. Der Blick zeigt es: Die Ballettschuhe, die die Damen bei den Proben tragen, haben vorne einen kleinen „Hügel“, der für eine bessere Beweglichkeit sorgen soll.

Auch die Körperhaltung ist von Bedeutung. Vom Singen her ist ja beispielsweise bekannt, daß ein gerades Stehen und durchgedrückte Schultern für ein besseres Atmen und leichteres Singen sorgen. Ähnliches gilt auch für das Tanzen. So gibt es beispielsweise bestimmte Schultertechniken, die für einen angemessenen Ausdruck sorgen.

Die meisten Kostüme, die bei den höfischen Tänzen getragen werden, bedecken den ganzen Körper. Lange Kleider und Röcke bedecken die Beine. Da es diese Art von Kleidung in der Regel nicht bei uns in Deutschland zu kaufen gibt, wird sie direkt aus Korea importiert und ist dementsprechend kostspielig. „Die Kleidung, die wir beim Tanzen tragen, heißt Hanbok. Ein Kleid kann leicht 400 € kosten.“

Die Changgo ist eine Trommel, die in ihrer Form einer liegenden Sanduhr ähnelt. Sie wird gelegentlich auch "Uhrglastrommel" oder "Stundenglastrommel" genannt. Man spielt das Changgo, indem man mit Stöcken sitzend oder mit umgehängter Trommel auf die mit Fell bespannten Enden schlägt. Das Changgo wird bei Sanmulnori, dem Bauerntanz und der Volksmusik genutzt. Das Instrument dient als ein sehr vielseitiges Percussioninstrument in dynamischen Aufführungen mit mehreren, parallel gespielten Changos.

Arirang weist an dieser Stelle auch noch eine weitere Besonderheit auf. Zwei Mal pro Jahr laden die Tänzerinnen extra einen Tanzlehrer aus Korea ein. Um nicht völlig den Kontakt zur alten Heimat zu verlieren, soll dieser Tanzlehrer ihren Kenntnisstand erweitern. Also mit Rat und Tat zur Seite stehen und weiteren Tanzunterricht geben.

„Wir benutzen bei unseren Tänzen traditionelle Musik, keinen Pop“, berichtet Suh. „Für jeden Tanz gibt es eine eigene Musik.“ Um nicht immer nur dasselbe zu tanzen, bringen die Dozenten auch neue Stücke aus Korea mit.

Korea ist ja bekanntlich – als Region – in zwei Staaten unterteilt. An dieser Stelle unterhalten wir uns über Südkorea. „Wie die Entwicklung in Nordkorea aussieht, können wir nicht sagen. Der Ursprung der Tänze soll dort aber erhalten geblieben sein.“

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