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Tamilen tanzen in Duisburg

Subanjali Nadyakalalayam heißt eine tamilische Tanzformation, die im Internationalen Zentrum der Duisburger Volkshochschule ihre Heimat hat. „Das Volk der Tamilen hat eine mehr als zweitausend Jahre alte Geschichte. Traditionelle darstellende Kunst nimmt hierbei einen ganz besonderen Stellenwert ein. Am häufigsten begegnet man dem Bharatanatyam. Er ist einer der acht klassischen Tanzstile in Indien,“ erzählt Subenthy Vasantharasjah. Sie ist die Leiterin der Truppe.

Rund 50 tamilische Familien leben nach ihrer Beobachtung bei uns in Duisburg; 313 Personen aus Sri Lanka zählt die offizielle Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg. Drei Mädchen üben regelmäßig jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr im Internationalen Zentrum. „Es ist reiner Zufall, daß es nur Mädchen sind,“ berichtet Vasantharasjah. „Männer dürfen den Tanz nämlich auch tanzen.“ Die sympathische Frau erzählt so ganz nebenbei, daß es bei uns in Duisburg 13 Mädchen gibt, die den Bharatanatyam tanzen können.

Kuchipudi, Odissi, Manipuri und Kathak – dies sind Tänze, die aus dem Süden Indiens stammen, wo bekanntlich auch viele Tamilen leben. „Wir kennen diese Tänzer nur theoretisch, tanzen sie aber nicht. Wir haben uns auf den Bharathanatyam konzentriert, “ berichtet Vasantharasjah. Wer die vier Tänze, die am Beginn dieses Absatzes erwähnt werden, kennenlernen möchte, wird also in Quellen wie der Internetenzyklopädie Wikipedia nachschlagen müssen. Dort gibt es dazugehörige Einträge, teils in deutscher, teils in englischer Sprache. „Der Bharatanatyam wird von den Tamilen getanzt. Die Singhalesen haben andere, eigene Tänze.“

„Mit dem Bharatanatyam verehren wir Nadarajah. Er war derjenige Gott, der den Bharatanatyam als erster tanzte, “ erzählt Vasantharajah. Wie der Tanz aussieht und welche Bewegungen dabei gemacht werden, wird dann weiter unten in diesem Text beschrieben.

Wer sich ein wenig in der tamilischen Kultur auskennt, kann an der Gestik, Mimik und Bewegung erkennen, was beim Tanz gemeint ist. Zumindest in tamilischer Sprache gibt es Lehrbücher, die erklären, welche Bedeutung Gestik und Mimik haben und wie man sie richtig tanzt. Früh übt sich. So heißt eine Redensart bei uns. Auch beim Bharatanatyam gilt diese Regel. Man sollte schon früh als Kind mit dem Üben anfangen, wenn man den Bharatanatyam richtig beherrschen möchte. Sie selbst habe schon im Alter von 5 Jahren damit begonnen, erzählt Vasantharasjah. „Ich bin am Wochenende immer in die Tanzschule gegangen.“

Musik gehört auf jeden Fall zum Bharatanatyam-Tanzen dazu. In der Duisburger Gruppe leider nur vom Band; in Sri Lanka gibt es soweit wie möglich Live-Musik. Vasantharajah weist dabei auf ein weiteres Utensil hin, das nach ihrer Aussage für den Tanz wichtig ist. Es sieht wie eine Holzbank im Miniaturformat ohne Arm- und Rückenlehne aus; mittels eines kleinen Stockes wird regelmäßig darauf geschlagen.

Die Tänzerinnen tragen reich verzierte und farbenfrohe Trachten, zumeist aus Seide. Sie sind in der Regel nicht bei uns in Deutschland erhältlich und müssen bei Bedarf in Sri Lanka besorgt werden. Vergoldete Ornamente schmücken die Trachten; diese Ornamente dienen auch als Tempel-Schmuck.

Subanjali Nadyakalalayam kann bereits mehrere öffentliche Auftritte vorweisen. „Dahinter steckt disziplinierter Unterricht. Es gibt jedes Jahr eine theoretische und praktische Prüfung. Dafür laden wir eigens einen Experten von einem renommierten Tanzinstitut aus London ein,“ berichtet Vasantharajah.

Bharata Natyam – ein paar Hintergrundinformationen

Der Bharata Natyam ist eine überlieferte südindische Tanzart, die allerdings auch in Sri Lanka, dem früheren Ceylon zu Hause ist. Es gibt unzählige Tänze, von denen die meisten Einzeltänze sind. Es gibt allerdings auch Gruppentänze, wie zum Beispiel den Kaavadi. Der Bharata Natyam basiert auf den Bereichen bhava (Ausdruck), raga (Tonskala), tala (Rhythmus) und natyam (Tanz und Schauspiel). Das Repertoire des Bharatanatyam umfaßt abstrakte und erzählerische Tänze in bestimmter Reihenfolge.

Die Inhalte des Tanzes stammen aus der hinduistischen Mythologie, Literatur und Religionsphilosophie. Die Musik, nach der getanzt wird, ist die klassische südindische karnatische Musik.

Der Bharatanatyam-Tanz setzt sich aus zwei Elementen zusammen: Dazu gehört der abstrakte, rein rhythmische Tanz (nritta) und der erzählerische, darstellende Tanz (nritya, abhinaya).

In Nritta, dem rein rhythmischen Tanz, werden die Bewegungen gemäß dem Rhythmus (tala) und dem Melodiemodus (raga) eines Musikstückes ausgeführt. Im Nritya, dem erzählerischen oder darstellenden Tanz, werden darstellende Körperhaltungen und Mimik (Abhinaya) verwendet, um den Text eines Liedes darzustellen und zu interpretieren.

Die Grundhaltung der Tänzerin besteht in auswärts gedrehten Beinen, gebeugten Knien (Ardha Mandali, identisch mit dem demi plié im Ballett) und geradem Oberkörper. Der Rumpf bleibt während des Tanzes kerzengerade; Beugungen geschehen von der Hüfte aus. Die rhythmische Beinarbeit, die ausgefeilte Mimik und die Handhaltungen machen den Gesamteindruck des Bharatanatyam-Tanzes aus.

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