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Irischer Stepptanz

Wenn der Bär steppt, ist sicherlich wieder Riverdance unterwegs. Lange Zeit war dies bei uns die erfolgreichste und bekannteste irische Sportformation. Irischen Stepptanz kann man aber auch bei uns in Duisburg lernen. Die Celtic Feet unter der Leitung von Thomas Stork bieten sowohl bei der Volkshochschule wie auch im Ratskeller Hamborn Kurse an.

Irish Dance gibt es in verschiedenen Versionen. Die Volkstänze können alleine, in Paaren oder in Gruppen getanzt werden. Tanzshows wie Riverdance sind dagegen neueren Ursprungs. Der traditionelle Stepptanz gehörte genauso zu den Tanzformen wie etwa der Set Dance, Ceili oder Sean nos dance.

Irischer Stepptanz ist durch die Tanzshow RIVERDANCE bei uns populär geworden. Sie besagt nichts die mühevollen Anfänge, als Dorfkinder im vergangenen Jahrhundert auf Tischplatten und ausgehängten Türen unter Anleitung reisender Tanzlehrer ihre Soloschritte übten.

Im 18. und 19. Jahrhundert zogen in Irland „dancing masters“ als reisende Tanzlehrer von Dorf zu Dorf. Die Volkstänze, die sie den Leuten beibrachten, waren in der Regel Kreis- und Gassentänze. Sie werden heute im Irischen Stepptanz als "Figurentänze" bezeichnet. Es waren Tänze, die von Jung und Alt gleichermaßen getanzt werden konnten. Damit es den jungen Leuten nicht langweilig wurde, tanzten sie immer kompliziertere Schritte. Die Tanzlehrer dachten sich immer neue Schrittfolgen aus. Der Grund dafür ist relativ einfach: Unter ihnen herrschte Konkurrenz; sie mußten also zusehen, daß immer genug Kundschaft vorhanden war. Allmählich wurde das Üben dieser Schrittkombinationen zum Selbstzweck. Die Jungen hängten bisweilen die Türen aus, um darauf wettkampfmäßig trainieren zu können. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der irische Solo-Stepptanz.

Heute gehen irische Kinder schon im zarten Alter von drei oder vier Jahren in eine Stepptanzschule. Stepptanz war in Irland noch bis vor ein paar Jahren fast ausschließlich ein Wettkampfsport für Kinder und Jugendliche. „Sobald man Erwachsen war, hörte man damit auf,“ berichtet Thomas Stork von den Celtic Feet.

Es ist gerade einmal zehn Jahre her, daß ein engagierter Tanzlehrer aus Chikago anfing, mit seiner Tanzgruppe, der "Trinity Dance Company", Showtanz-Stücke zu choreographieren. Michael Flatley entsprang auch dieser Tanzschule, und er entwickelte deren Stil weiter zu den genialen Meisterstücken "Riverdance" und "Lord of the Dance". So ist es im Internetauftritt der Tanzkompanie nachzulesen.

Im irischen Solotanz gibt es hauptsächlich vier Rhythmen: reel (2/4-Takt) (light) jig (6/8), slip jig (9/8) und hornpipe (4/4, allerdings triolisch - also als "Päckchen" von je drei Achteln - strukturiert). Je nach Tanz können diese im Tempo variieren. Hinzu kommt: Die meisten irischen Tanzschulen haben ihre eigenen Schrittvariationen entwickelt. Außerdem gibt es Stepptänze für harte und für weiche Steppschuhe.

Jede irische Tanzschule hat mehrere verschiedene Trachten. Diese variieren mit der Altersstufe und mit dem Grad des tänzerischen Könnens. Es gibt Trachten für Anfänger, Fortgeschrittene, erwachsene Gelegenheitstänzer usw. Erreicht ein Tänzer einen sehr hohen Standard, kann er in Einzel-Wettkämpfen eine besondere Solisten-Tracht tragen. Diese Trachten sind sehr teure, handgearbeitete Einzelanfertigungen. Doch keine Bange: In Unkoten muß man sich bei uns in Duisburg nicht stürzen, wie Stork betont. Bequeme Bekleidung und leichte Schuhe mit flachem Absatz reichen in der Regel aus, um tanzen zu können. Nur für Aufführungen gibt es eigene Trachten. „Unsere Schuhe werden von einem kleinen Betrieb in Dublin handgefertigt, und wir helfen allen Neuen beim Besorgen der Schuhe. Wenn in Irland gerade ein Tanzwettbewerb stattfindet, können schon mal zwei Monate vergehen, bis bestellte Schuhe auch ankommen,“ betont Stork.

In Irland wird in normalen Straßenschuhen getanzt. Wegen der großen Armut der Bevölkerung wurde früher auch barfuß getanzt. Im Wettbewerbstanz unterscheidet man beim Irish Dance zwischen „Heavy Shoes“ und „Soft Shoes“:

Die Heavy Shoes werden für die "Solo Set Dances" und Solo Harshoe Dances benutzt. Dies sind Tänze zu festgelegten Melodien. Die Schuhe haben eine spezielle Erhöhung an den Absätzen. An den Unterseiten der Schuhsohle sind unter den Zehenspitzen die sogenannten "Tips" und unter den Absätzen die sogenannten "Heels" angebracht. Sie bestehen heute meist aus Kunststoffen wie beispielsweise glasfaserverstärktem Kunststoff. Diese Teile sind zusammen mit dem Boden die Klangerzeuger. Es gibt auch unterschiedliche Arten von Heels. In Irland beginnen viele Kinder mit "Einfach-Heels", die nach unten hin gerade oder konisch verlaufen. Die neueste Entwicklung ist der "Bubbleheel", der eine bauchige Form aufweist und die peitschenknallartigen "Clicks" mit den Heels enorm vereinfacht. Bubbleheels sind bei Wettkämpfen jedoch nicht zugelassen.

Die Soft Shoes werden von Damen für die geräuschlosen Tänze, die sogenannten Soft-Shoe-Dances oder Light Dances, verwendet. Frauen tragen hier leichte, ballettähnliche Schuhe (Dance Pumps) aus Leder. Von Jungen werden Soft Shoes nur bis zum Alter von maximal 11 Jahren getragen, anschließend kommen bei den Jungen und Herren Reel Shoes zum Einsatz, die einen Absatz besitzen und ein den Heavy Shoes ähnliches Aussehen besitzen. Im Unterschied zu Heavy Shoes besitzen Reel Shoes keine "Tips" - meistens handelt es sich um dieselben Hard Shoes, jedoch ohne Tips.

Die Kostüme der Tänzer greifen heute die Kleidung der Vergangenheit auf. Das Design wird aber immer moderner werden; Glitzer und leichtere Stoffen seien hier als Beispiel genannt.. Ursprünglich basieren die Trachten der Mädchen auf den Kleidern der Landfrauen, die vor 200 Jahre getragen wurden. Lange Zeit sind diese Kleider mit handgestickten Motiven gewesen. Heutzutage sehen die Kleider immer weniger traditionell aus, was an den auffälligen Farben und neuen Stoffen liegt. Dazu werden weiße Strümpfe, die etwa bis zur Mitte der Waden gehen, getragen. Dazu tragen Frauen oft eine lockige Perücke oder ein Haarteil. Die Kleidung, die von Jungen und Männern getragen wird, ist etwas schlichter, aber scheint zeitlichen und/oder regionalen Moden unterworfen gewesen zu sein. Auf alten Fotos aus dem Jahre 1902 tragen die Männer lange Hosen oder Kniebundhosen und später einen einfarbigen Kilt mit dazu passenden Kniestrümpfen und einem Jackett. Erst die bekannten Tanzshows beeinflußten das Kostüm, so daß heute die meisten Männer wieder schwarze Hosen tragen. Männliche und weibliche Tänzer tragen heutzutage Hardshoes und Softshoes ähnlich den Balletschläppchen.

Die schottische Tanzgruppe "Swinging Kilts" aus Duisburg lud im Februar 1998 den Steptanz-Lehrer Ian Creanar aus Cork (Südirland) einlud, um ein paar einfache Steppschritte einzuüben. Auch wenn am Anfang tänzerisch nicht alles so klappte, wie die Kursteilnehmer es sich vorgenommen hatten, stand für die meisten Teilnehmer jedoch bald fest, daß sie weitermachen wollten. „Als dann im März ein Raum mit einem strapazierfähigen Boden gefunden wurde, griff man sofort zu und gründete eine Gruppe,“ blickt Stork zurück.

Man trainierte schon bald wöchentlich. Einige Tänzer bildeten sich auch auf Wochenendkursen weiter. „Celtic Feet" – so nannte sich die Truppe schon bald.

Seither wurden viele weitere Wochenend-Workshops für Anfänger organisiert. Professionelle Stepptänzer wie Ian Creanar und Mary Murray wurden eingeladen, um die Gruppe Schritt-technisch voranzubringen. Im Herbst 1998 traten "Celtic Feet" zum ersten Mal öffentlich auf: Zuerst beim Meidericher Folklore-Festival und später bei der Duisburger Folknacht. Bei den Duisburger Tanztagen im März 1999 errang "Celtic Feet" am Folkloretag den zweiten, im Jahr 2000 den ersten Platz und wurde im Finale Spartensieger. Die Celtic Feet kooperierten lange Zeit mit der niederrheinischen Band „Moyland“; da sich „Moyland“ inzwischen aber aufgelöst hat, mußte diese Zusammenarbeit leider eingestellt werden. „Das Interesse an irischer und schottischer Musik hat nachgelassen,“ konnte Stork beobachten. „Füllten diese Musiker früher ganze Hallen und Stadien, kommen heute nur noch wenige Besucher.“ Was die keltischen Füße aber nicht davon abhält, auch weiterhin bei Veranstaltungen aufzutreten.

Inzwischen ist die Gruppe auf über 50 Tänzer angewachsen. Hinzu kommen gut 20 Kids von der Gesamtschule Walsum, die seit Anfang 1999 nachmittags im Rahmen einer AG die Grundschritte des irischen Stepptanzes erlernen. „Damit sind wir die drittgrößte irische Stepptanzschule in Deutschland!“ berichtet Stork. Daß die keltischen Füße auch Kurse bei der Duisburger Volkshochschule geben, soll hier nicht verschwiegen werden.

Der Unterricht bei den Duisburger Tänzern folgt einem bewährten Ritual, wie Stork berichtet. Nach ein paar Aufwärmübungen geht es los: Die Tänzer stehen in der "vierten Position" - die Füße sind ausgedreht, ein Fuß ist nach vorne gestellt, die Arme liegen am Körper an, der Blick ist etwas erhaben nach vorn gerichtet.

Thomas Stork hat die irische Stepptanzgruppe gegründet. Während eines Zelturlaubs in Irland 1997 lernte er den Tanzlehrer Jimmy Smith aus Tralee kennen, der ihn mit in seinen Unterricht nahm. Im Herbst 1997 nahm er Kontakt zu Ian Creanar auf, Creanar kam im darauf folgenden Frühjahr nach Duisburg, um ein paar interessierten Anfängern ein Wochenende lang Hornpipe-Schritte beizubringen. Seither leitet Tom das Training, unterstützt von einem Team von fleißigen Helfern.

Ein Problem besteht darin, daß Tanzbeschreibungen und geeignetes Schuhwerk in Deutschland nicht erhältlich sind. Manche irischen Tanzlehrer tun so, als wären Schritte ein nationales Heiligtum, das nicht in falsche Füße geraten darf. Diese Einstellung verhindert leider die Ausbreitung neuer kreativer Ideen und fördert das Tappen im Dunkeln bei den meist noch jungen Tanzgruppen in Deutschland. Um dennoch einen möglichst authentischen Stil trainieren zu können, waren schon mehrfach ausgebildete irische Profitänzer zu Gast in Duisburg: Ian Creanar, Mary Murray, Bobby Hohmeier und Sean Kilkenny.

Rhythmusgefühl / Taktgefühl, Beweglichkeit, Aufnahmefähigkeit und ein Talent für das Tanzen sind nach den Worten des Mathematik-Lehrers Grundvoraussetzungen, die man mitbringen muß, um gut irischen Stepptanz tanzen zu können. Doch Vorsicht! „Es gibt zwar Berührungspunkte zum Stepptanz a la Fred Adair,“ berichtet Stork. „Um aber keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Schnittmenge ist aber nicht sehr groß.“

Musik ist ein wesentlicher Bestandteil des Tanzes. Und auch gleichzeitig das Problem für die keltischen Füße in Duisburg. „Es gibt CDs mit Musik für irische Tänze,“ berichtet Stork. „Sie sind aber nicht im normalen Einzelhandel oder bei amazon erhältlich. Man kann sie in der Regel nur über Fachhändler im Ausland erhalten. Da kann man nicht einfach so hineinhorchen. Oft kommt zum regulären Preis auch noch der Zoll hinzu.“ Stork kauft also unter Umständen die sprichwörtliche Katze im Sack. „10 % ist brauchbar, 90 % na ja,“ lautet sein ganz persönliches Urteil.

„Ich mag die Musik,“ beschreibt Stork seinen ganz persönlichen Zugang zum irischen Stepptanz. „Man erzeugt mit seinem eigenen Körper Rhythmus. Wichtig ist mir auch das Gemeinschaftsgefühl – man tanz mit anderen Leuten.“

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