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Rock`n`Roll-Tanz

Er war der „King“: Elvis Presley war der unbestrittene König des Rock`n`Roll. Er ist vor rund 40 Jahren verstorben. Doch der Rock lebt heute auch als eigenständige Tanzform weiter.

Rock ’n’ Roll ist ein paarweise getanzter akrobatischer Schau- und Turniertanz. Sein Ursprung liegt in den USA.

Parallel zur Musikrichtung Rock ’n’ Roll haben sich die dazu passenden Tänze entwickelt. Aus dem um 1920 entstandenen Swing entwickelte sich in den USA sehr früh der Lindy Hop bei dem erstmals akrobatische Elemente in einen Paartanz eingeflossen sind. Der Lindy Hop wurde dann um 1940 zum Boogie-Woogie weiterentwickelt, der auf deutlich schnellerer Musik basierte. Mit Aufkommen der Rock-’n’-Roll-Musik um 1955 wurde schließlich aus dem Boogie-Woogie von der protestgesteuerten Jugendbewegung der Rock ’n’ Roll erschaffen.

Rock ’n’ Roll gilt als ein fröhlicher, schneller und sportlicher Tanz, der stark zuschauerorientiert ist. Er ist geprägt von hoher Präzision der Bewegungen bei hohem Tempo und der flüssigen Kombination von Tanz und spektakulärer Akrobatik.

Rock ’n’ Roll wird auf Musik im 4/4-Takt getanzt. Der Tanz wird auf den Schlägen 1 und 3 betont. Die Musik ist sehr schnell. Heute wird nur noch selten auf echte Rock-’n’-Roll-Stücke getanzt. Bei Turnieren ist vor allem moderne Disco- und Popmusik zu hören. Als Offbeat werden in der Musik Positionen zwischen den Zählzeiten eines Metrums und vor allem die Betonung dieser Positionen bezeichnet.

Charakteristisch für den Rock ’n’ Roll sind der gesprungene Grundschritt mit Kicks und Kick-Ball-Change und die Akrobatiken. Rock ’n’ Roll wird geradlinig getanzt. Die Kicks und Armbewegungen stehen in einem klar erkennbaren, regelmäßigen Winkel zueinander. Die Tänzer tanzen fast ausschließlich auf den Fußballen. Eine Ausnahme bilden die Akrobatiken, bei denen der Herr einen festen, breitbeinigen Stand einnimmt. Bewegungen werden typischerweise schnell und zackig ausgeführt. Die Arme und Beine sind in gleichem Maße beteiligt.

Rock ’n’ Roll übernimmt häufig Elemente aus anderen Tänzen. Hier sind insbesondere die Aerobic, der Jazz Dance und die lateinamerikanischen Tänze zu nennen. Allgemein ist die Gestaltungsfreiheit der Paare im Rock ’n’ Roll recht groß. Es gibt keine Schrittfolgen oder Figuren, die zwingend in einem Auftritt enthalten sein müssen. Die Choreographien der Tänzer können sich daher sehr unterscheiden.

Man unterscheidet beim Rock ’n’ Roll zwei unterschiedliche Grundschritte, die nach der Anzahl der Bodenberührungen benannt sind. Der ursprüngliche 6er-Grundschritt weist noch starke Ähnlichkeiten zum Grundschritt des Lindy Hop auf. Er wird heute nur noch in Tanzschulen gelehrt.

Der technisch anspruchsvolle 9er-Grundschritt ist die Grundlage des modernen Turniertanzes.

Rock-’n’-Roll-Kicks werden in einem vierphasigen Bewegungsablauf ausgeführt: Das Bein wird zunächst hochgezogen, dann waagrecht ausgekickt, wieder zurückgezogen und abgesetzt. Gleichzeitig hüpft der Tänzer locker auf dem anderen Fußballen, das den Boden beim Auskicken und kurz vor dem Absetzen des kickenden Beins berührt; pro Kick ergeben sich somit drei Bodenberührungen.

Der Kick-Ball-Change ist ein abgewandelter Kick, der mit einer Laufbewegung verbunden ist: Kurz bevor das kickende Bein beim Absetzen den Boden berührt, wird das andere Knie hochgezogen, so dass sich die Reihenfolge der Bodenberührungen umdreht. Der Kick-Ball-Change ermöglicht es, größere Wege zurückzulegen, ohne die Folge der Kicks zu unterbrechen.

Im Rock´n´Roll werden Tanzfiguren scharf von Akrobatiken abgegrenzt. Tanzfigur heißt im Rock ’n’ Roll jede Tanzfigur, die ein Tänzer alleine ausführen kann. Überschläge sind keine Tanzfiguren, sondern Akrobatiken. Diese dürfen erst ab einem bestimmten Alter, und in einer bestimmten Tanzklasse ausgeführt werden. Stationäre Figuren, bei denen ein Tanzpartner den anderen stützt, heißen Tanzfiguren, solange beide Tänzer festen Bodenkontakt haben.

Tanzfiguren im Rock ’n’ Roll sind bis auf wenige Ausnahmen nicht festgeschrieben und tragen auch nicht immer Namen, wodurch Rock-’n’-Roll-Choreografien sehr individuell sind. Bei Shows und auf Turnieren sind Figurenfolgen daher im Vorhinein abgesprochen und eingeübt.

Grundlage vieler Akrobatiken sind die Körperwelle und der Einsteiger. Die Körperwelle besteht aus einer kräftigen Vor-Rück-Bewegung des Beckens, verbunden mit einem Aufrichten durch Strecken der Knie. Sie leitet eine Aufwärtsbewegung der meist eingegrätschten Dame ein, so daß der Herr durch Nutzung seiner Gesäß-, Bauch- und Oberschenkel-Muskeln wenig Armkraft benötigt, um die Dame in die Höhe zu heben.

Der Einsteiger ist eine sportliche Variante der Räuberleiter: Der Herr steht tief in den Knien und formt mit beiden Händen ein Trittbrett, auf das die Dame aufspringt. Der Schwung des Einspringens wird ausgenutzt, um die Dame mehrere Meter in die Luft zu katapultieren, wo sie - beispielsweise -einen Salto ausführen kann.

Das Lasso ist eine leichte akrobatische Figur, bei der die Dame vom Herrn gestützt im Halbkreis um diesen herumspringt. Der Teller ist eine leichte akrobatische Figur, bei der der Herr die Beine der Dame im Kreis um sich herumschwingt und dabei mehrmals über die Dame hinweg steigt.

Rock ’n’ Roll wird auf Turnieren in ein- oder zweiteiligen anzugförmigen Kostümen aus elastischen Kunstfasern getanzt, die oft in grellbunten Farben gehalten und mit glitzernden Strasssteinen geschmückt sind. Die Kleidungsstoffe sind dehnbar und reißfest, denn sie werden insbesondere bei Wickelfiguren erheblichen Belastungen ausgesetzt. Außerdem sind sie glatt und rutschig, um Verkantungen und Reibungsverletzungen bei Akrobatiken vorzubeugen. Die Kostüme werden meist für jedes Paar individuell nach Maß angefertigt.

Das Schuhwerk muß guten Halt und Schutz vor Verletzungen durch Umknicken bieten, gleichzeitig leicht sein und dem Fuß Bewegungsfreiheit gewähren. Daher nutzen die meisten Rock-’n’-Roll-Tänzer heute spezielle Rock-’n’-Roll-Schuhe oder Aerobicschuhe. Tänzerinnen wählen häufig leichte, schwarze Turnschuhe, die mit ihrer gedämpften Gummisohle den Abwärtsschwung nach Freiluftakrobatiken rückenschonender abfangen.

Rock´n´Roll wird in der Regel in einer Sporthalle getanzt. Dort ist idealerweise rutschfester Tanzparkett ohne Stolperfallen vorhanden. Die Tanzfläche ist 6 x 10 m groß. Die Decke befindet sich in 6 m Höhe.

Den Rock´n´Roll Club „Golden Fifties“ aus Duisburg gibt es seit 1982. Rund 90 Mitglieder gehören ihm heute an. „Wir sind ein Sportverein und verstehen uns auch als solcher,“ betont Gerald Wandrey, der Vorsitzende des Vereins.

Elvis-Tolle? Petticoat? Sind bei ihm unbekannt! „Es geht nicht um die Pflege des Rock`n`Roll der `50er Jahre. Das macht mehr der Boogie-Woogie. Als Tanz ist der Rock´n`Roll eine Weiterentwicklung davon. Rock´n`Roll ist ein Hochleistungssport. Und eben keine Lebensstilpflege. Heute geht es um Wettkämpfe und Showauftritte.“

Schnellkraft, Kurzzeitausdauer, Koordination, Beweglichkeit, Kraft, Kondition („Rock´n´Roll ersetzt das Fitneß-Studio!“), Sprungkraft und Durchhaltevermögen sind nach Wandreys Worten die Voraussetzungen, die ein idealer Rock´n´Roll-Tänzer mitbringt.

„Solange Rücken und Knie in Ordnung sind, kann man Rock´n´Roll tanzen,“ betont Wandrey. Angesichts der Anforderungen an den Körper ist es aber nicht weiter verwunderlich, daß bevorzugt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zur Zielgruppe des Vereins gehören. „Es ist ein unglaublich intensiver Tanzsport. Man arbeitet als Tanzpaar vertrauensvoll zusammen. Rock`n`Roll ist ein Mannschaftssport zu zweit.“

Der Duisburger Verein ist im Internet unter www.rrc-duisburg.de erreichbar.

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