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Drachenbootrennen

Siegfried heißt ein starker Held, der in vielen germanischen Sagen vorkommt. Er kann einen Drachen töten und in einigen Sagen einen Schatz gewinnen. Drachenboote sind da schon viel unangenehmer als die Untiere in den Sagen. Sie sind aufgemotzte Sportgeräte.

Das Drachenbootrennen ist eine Sportart, die aus dem fernen China stammt. Ursprünglich als regulärer Sport begonnen, haben Drachenbootrennen inzwischen auch Volksfestcharakter.tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/DSCN0903.jpg

Drachenboote sind offene Boote mit einem langen, leicht gekrümmten Kiel. Der Antrieb erfolgt, wie im Kanusport so üblich, durch Paddel. Drachenboote sind so gestaltet, daß sie durch Bemalung bzw. Schnitzarbeiten und einen dekorativen chinesischen Drachenkopf und Drachenschwanz einen stilisierten Drachen darstellen.

Es gibt allerdings verschiedene Bootstypen. Sie sollen hier kurz vorgestellt werden.

Es gibt die Traditionsboote. Dazu gehören das traditionelle chinesische Drachenboot, das Hong-Kong-Drachenboot und das Singapur-Drachenboot. Sie haben eine Sache gemeinsam, nämlich die schwere Bauform aus Teak-Holz. Die Boote sind mit kunstvollen, großen Drachenköpfen versehen Sie sollen ihnen ein besonders farbenprächtiges Aussehen geben. Außerdem zeigen aufgemalte chinesische Schriftzeichen die besonderen Vorzüge des jeweiligen Boots auf. Große Traditionsboote können bis zu 25 Meter lang und mit bis zu 100 Paddlern besetzt sein. Traditionelle Boote werden aus Holz gefertigt. Typisch dabei: Ihr Rumpf ist ohne Spanten und Luftkästen gebaut.

Im Gegensatz dazu stehen die Sportboote, zu denen das international genormte Renn-Standard-Drachenboot und das Europäische Standard-Drachenboot gehören. Der Internationale Drachenboot-Verband IDBF hat die Standards für diese Boote 1994 verbindlich festgelegt und seitdem regelmäßig aktualisiert. Dieser Bootstyp hat wenig mit den Traditionsbooten gemein, auch wenn der Riß der Sportboote ursprünglich auf dem Hong-Kong-Drachenboot basiert. Der für alle Boote gleiche Drachenkopf- und Schwanz ist abnehmbar; er wird nur bei Veranstaltungen befestigt. Die genormten Boote sind ohne Kopf und Schwanz 12,49 m lang, 1,16 m breit und 250 kg schwer (Europa-Norm). Der Rumpf wird üblicherweise aus glasfaserverstärktem Kunststoff in zweischaliger Bauweise gefertigt. Ein genormtes Boot hat Sitzbänke für maximal 20 Paddler. tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/DSCN0905.jpg

Die Stechpaddel bestehen aus Paddelblatt, Schaft und Knauf. Die Blätter unterscheiden sich in Länge und Breite. Der Schaft verbindet das Blatt mit dem Knauf. Beim Knauf am oberen Ende des Schaftes unterscheidet der Fachmann zwei Griffarten, den Spatengriff und den Palmgriff. Die Palette der beim Stechpaddel verwendeten Materialien reicht vom konventionellen Holz bis hin zu modernen Materialien wie Aluminium/Kunststoff oder Carbon. Im Wettkampfsport ist die Länge der Paddel genauso reglementiert wie die Form und Breite des Paddelblatts.

Das Langruder dient zum Steuern des Bootes. Es ist in der Regel am Steuerblock fixiert und ragt meistens backbord, als in Fahrtrichtung links, ins Wasser. Genauso wie die Paddel besteht das Langruder aus Blatt, Schaft und Knauf.

Das Drachenbootfahren ist, wie schon weiter oben gesagt, eine Mannschaftssportart. Bei der Größe der Mannschaft übernimmt jedes Mannschaftsmitglied eigene Aufgaben.

Die Besatzung eines Drachenbootes besteht aus Paddlern. Sie sitzen paarweise auf Bänken nebeneinander und bewegen mit Stechpaddeln das Boot vorwärts. Ein Trommler, der ebenfalls im Boot mitfährt, nimmt den Rhythmus des vordersten Paddlerpaares auf und sorgt mit seinen Schlägen für einen gleichmäßigen Takt aller Paddler. Er motiviert die Paddler auch durch Zurufe, ihr Bestes zu geben. Der Steuermann steht im Heck. Er steuert das Boot mit seinem Langruder.

Je nach Bootstyp sitzen – je nach Mannschaftsgröße - zwischen 10 und 50 Paddler in Fahrtrichtung zu zweit auf einer Sitzbank. Sie paddeln, natürlich abhängig von ihrer Sitzposition, mit dem Stechpaddel entweder auf der rechten oder linken Bootsseite. Die Schlagleute genannten Paddler auf der ersten Bank geben den Takt vor. Sie bestimmen so Schlaggeschwindigkeit und Renntaktik. Alle anderen Paddler im Boot paddeln synchron mit ihnen auf Schlag, den der Trommler von den Schlagleuten aufgreift.

Der Steuermann steht am hinteren Ende des Drachenboots. Er steuert das Boot mit einem Langruder, das durch einen am Heck befestigten Steuerblock geführt wird. „Ein guter Steuermann kann das Boot mit minimalen Steuerbewegungen auf geradem Kurs halten“, berichtet die Sekundärliteratur. Durch Gewichtsverlagerung des Steuermannes wird die Krängung des Drachenbootes um die Längsachse ausgeglichen. Die Krängung ist die Schlagseite eines Bootes, also die Neigung von Schiffen und Booten zur Seite. Da der Steuermann auch für die Sicherheit des Bootes mit der gesamten Mannschaft verantwortlich ist, muß er sich gut mit den Sicherheitsregeln und mit den lokalen Gegebenheiten auskennen. Der Steuermann kann durch laute Rufe wesentlich zum Erfolg eines Rennens beitragen. tl_files/ssb-duisburg/sportkulturen/Oelringen/DSCN0895.jpg

Der Trommler sitzt bei den meisten Bootstypen vorne im Boot. Er sitzt auf einem speziellen Sitz, der ihm den Blick gegen die Fahrtrichtung auf die restliche Besatzung ermöglicht Der Trommler übernimmt den Takt der vorne sitzenden Paddler. Das Wort „Trommler“ legt es nahe: Dieses Mannschaftsmitglied schlägt in diesem Takt mit einem Holz auf die vor ihm angebrachte Trommel. Er beobachtet, um es mal idealistisch auszudrücken aufmerksam den Rennverlauf und das eigene Team. Er stimmt so die Renntaktik mit den Schlagleuten ab. Bei traditionellen Drachenbooten mit bis zu über 50 Paddlern ist der Trommler häufig in der Bootsmitte platziert. Bei traditionellen Drachenbooten wird der Rhythmus manchmal an Stelle einer Trommel mit Hilfe eines Messing-Gongs vorgegeben.

Auf den Flag-Catcher wird hier gezielt nicht eingegangen, da diese Art des Drachenbootrennens bei uns in Europa wohl nicht üblich ist.

Wie sieht die sportlich-technische Seite des Drachenbootfahrens aus?

Drachenbootfahren gehört zu den zyklischen Sportarten. Was heißt das? Beim Drachenbootrennen gehen gleichartige Bewegungen im fließenden Wechsel ineinander über. Schlagzyklus nennt man den aus zwei Phasen, Haupt- und Zwischenphase bestehenden Bewegungsablauf. Haupt- und Zwischenphase wird auch Antriebs- und Freilaufphase genannt. Das Wasserfassen und das Ausheben sind die beiden Phasen verbindenden Übergänge. Sie werden zur Zwischenphase gerechnet. Die Schlagfrequenz beträgt in einem Rennen zwischen 70 und 80 Schlägen pro Minuten. In der Startphase kann ein Team aber auch bis zu 150 Schläge pro Minute erreichen.

Der Paddler sitzt auf der Bank im Drachenboot mit einer Beckenseite an der Außenwand des Bootes. Das Stechpaddel wird mit der dem Wasser abgewandten Hand oben am Griff gehalten. Die wasserseitige Hand greift ungefähr eine Schulterbreite tiefer am Schaft an. Das wasserseitige Bein wird Standbein genannt. Es sollte bei möglichst horizontalem Oberschenkel fest zwischen Bootswand und Bootsboden verkeilt werden. Die Beckenachse steht senkrecht zur Bootsachse, also quer zur Fahrtrichtung. Der Oberkörper ist über dem festgestellten Beckengürtel zur Zugseite optimal eingedreht und leicht nach vorne gebeugt. Der Zugarm - der Arm auf der Wasserseite - ist gestreckt, der Druckarm leicht gebeugt. Die Druckhand befindet sich leicht über und vor dem Kopf des Sportlers.

Das Paddel wird möglichst weit vorne - ungefähr auf der Höhe der Sitzbank des nächsten Vordermanns - ohne Pause ins Wasser getaucht. Hierfür drückt die Zughand über den gestreckten Arm mit Hilfe der Druckhand das Paddelblatt schnell und spritzerlos vollständig ins Wasser. Die Druckhand befindet sich beim Einsetzen leicht oberhalb des Kopfes. Der Anstellwinkel des Paddelblattes beträgt dabei zwischen 50 und 80 Grad.

Erst wenn das Paddelblatt ganz ins Wasser getaucht ist, wird das Paddel dicht an der Außenwand des Drachenbootes vorbeigeführt und dabei möglichst senkrecht zur Mittelachse des Bootes und dem Wasserspiegel gehalten. Der Durchzug beginnt explosiv, die Kraftkurve steigt also steil an. Erst danach erfolgt der Durchzug mit einer weiter steigenden Geschwindigkeit durch Rückdrehung und gleichzeitigem Aufrichten des Oberkörpers, koordiniert mit der Zugbewegung des Zugarmes. Der Druckarm und die Druckhand leisten statische Haltearbeit. Sie wirken als Gelenk und Führungselement für das Stechpaddel. Beckengürtel und Beine sichern durch Beibehaltung der Grundhaltung die Übertragung des durch den Paddelschlag erzeugten Kraftimpulses auf das Boot.

Nachdem die Zughand den Oberschenkel des Standbeines erreicht hat, heben Zug- und Druckhand das Paddel zügig und möglichst ohne Spritzer gerade nach oben aus dem Wasser. Das Ausheben des Stechpaddels aus dem Wasser sollte auf Höhe des Beckens des Sportlers beendet sein.

Die Zughand führt das Paddel in leichtem Bogen in Fahrtrichtung zum Bug. Das Blatt bleibt etwa 5 bis 8 cm über der Wasseroberfläche. Die Druckhand führt den Paddelknauf ganz leicht ins Boot und nach vorne oben vor den Kopf in die Ausgangsstellung. In zeitlicher und räumlicher Koordination zwischen Zug- und Druckarm unterstützt der Rumpf das Vorbringen durch eine optimale Drehung des Schultergürtels zur Zugseite mit einer entsprechenden Krümmung des gesamten Oberkörpers gegenüber dem Beckengürtel. Der Unterkörper wirkt als Widerlager und soll möglichst fest stehen und die Kraftübertragung auf das Boot sichern. Der Kopf wird in Verlängerung der Wirbelsäule gehalten. Der Blick ist schräg auf den davor sitzenden Paddler gerichtet.

Bei Drachenbootrennen gibt es verschiedene Distanzen, die zwischen 250 m Sprintstrecke und 5000 m Marathondistanz liegen.

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